Ein Konzept zur Analyse sozialer Ungleichheit

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Gesellschaften bestehen aus Menschen, die in verschiedenster Hinsicht ungleich sind. [1] Die differenzierenden Merkmale sind teils schlicht gegeben (sozusagen mit der menschlichen Natur des einzelnen), oder sie werden im Laufe der Biographie erworben. Dieser prinzipiellen Ungleichheitserfahrung korrespondiert ein mit der Zunahme der Vergesellschaftungstendenzen stärker werdendes Bedürfnis des einzelnen, einen Lebensstil (im weitesten Sinne) zu entwickeln, mit dem er bestimmten Gruppen von Menschen ähnlich wird bzw. auf Anerkennung durch diese hoffen darf, um sich unu actu von anderen Menschen und Gruppen wirksam abzugrenzen. Subjektive Bedürfnisse lassen sich als vergesellschaftete Triebkräfte begreifen, d. h., sie unterliegen gesellschaftlicher Prägung. Dieser gesellschaftliche Charakter menschlicher Bedürfnisse ist der Grund dafür, dass sie „stets die Möglichkeiten ihrer Befriedigung übersteigen. (…) So kennt auch jede Gesellschaft soziale Normen, die die Mittel und Wege der Bedürfnisbefriedigung regulieren und damit insgesamt ein System der Güterverteilung darstellen, welches zugleich zur Unterdrückung nicht als legitim geltender Bedürfnisse wirkt.“[2] Daran knüpft der soziale Mechanismus an, der bewirkt, dass die verfügbaren Ressourcen des einzelnen im Hinblick auf seine Bedürfnisse stets knapp erscheinen. Sich anderen anzugleichen oder sich auch von ihnen abzugrenzen, indem man zum gegebenen Zeitpunkt bestimmte Entscheidungen über die Verwendung von Ressourcen fällt, bedeutet letzten Endes, die Bedürfnisse zu antipizieren, die mit dem Erreichen oder der Sicherung einer gesellschaftlichen Position verbunden sind. So gesehen besteht ständig die „abstrakte Notwendigkeit, die Befriedigung künftiger Bedürfnisse gegenwärtig sicherzustellen“.[3] Gesellschaftliche Ungleichheit bindet die individuellen Bedürfnisse mehr oder weniger stringent an den Zwang zur „differentiellen Assoziierung“[4]. Mehr von diesem Beitrag lesen

Die Industrialisierung (Industrielle Revolution) Deutschlands im 19. Jahrhundert

(Überarbeitete Version eines Kapitels aus meiner Biographie von Karl Wilhelm Hermann Pemsel = R. Spree: Eine bürgerliche Karriere im deutschen Kaiserreich. Der Aufstieg des Advokaten Dr. jur. Hermann Ritter von Pemsel in Wirtschaftselite und Adel Bayerns. Aachen 2007, S. 11-35)

Schon lange hatte sich die Industrialisierung als der größte Veränderungsmotor in der Geschichte der letzten Jahrtausende vorbereitet, ohne in Deutschland den Durchbruch zu erreichen.Das ist einer der Gründe dafür, in der neueren Wirtschaftsgeschichtsschreibung nicht mehr den älteren Begriff der Industriellen Revolution zu gebrauchen. Zwar empfanden die Zeitgenossen viele Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, die sich während des evolutionären Prozesses der Industrialisierung ereigneten, als so umstürzend neu, dass sie als revolutionär wahrgenommen wurden. Doch erkennt der Historiker die oft Jahrzehnte, gelegentlich gar Jahrhunderte zurückreichenden Wurzeln und zögernden Anläufe. Zudem fanden die Veränderungen nicht in der Wirtschaft bzw. der Gesellschaft als Ganzer und gleichzeitig statt, vielmehr zunächst in einzelnen Branchen und oft weit auseinander liegenden Regionen, von denen aus sie sich allmählich mal schneller, mal langsamer ausbreiteten. Kennzeichnend für die Industrialisierung, egal wo sie stattfand und (mit Blick auf die Erde insgesamt) bis heute noch stattfindet, ist deshalb die Ungleichzeitigkeit und räumliche Disparität der Entwicklungen, die sich schließlich zum Durchbruch einer neuen Wirtschaftsweise ergänzen.[1] Dieser ereignete sich in Deutschland ab den 1840er Jahren – nachdem während der 1830er Jahre wichtige Voraussetzungen realisiert worden waren. Binnen weniger Jahrzehnte fand der Wandel vom Agrarstaat, der Deutschland im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts insgesamt, in weiten Teilen sogar noch bis ins späte 19. Jahrhundert hinein war, zum Industriestaat statt, der um die Wende zum 20. Jahrhunderts vorherrschte – ungeachtet einiger weiterhin agrarisch geprägter Regionen. Binnen einer Generation veränderte sich nicht nur die ökonomische Basis, vielmehr lebten, dachten, fühlten die meisten Deutschen um die Wende zum 20. Jahrhundert anders als noch um die Mitte, gar zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Alte Traditionen und Werte waren zerstört, zumindest in Frage gestellt worden, gänzlich neue Orientierungen und Mentalitäten setzten sich bei großen Teilen der Bevölkerung durch. Im Folgenden wird ein knapper und subjektiv pointierter Überblick über diesen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozess geboten. Mehr von diesem Beitrag lesen