Ein Konzept zur Analyse sozialer Ungleichheit

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Gesellschaften bestehen aus Menschen, die in verschiedenster Hinsicht ungleich sind. [1] Die differenzierenden Merkmale sind teils schlicht gegeben (sozusagen mit der menschlichen Natur des einzelnen), oder sie werden im Laufe der Biographie erworben. Dieser prinzipiellen Ungleichheitserfahrung korrespondiert ein mit der Zunahme der Vergesellschaftungstendenzen stärker werdendes Bedürfnis des einzelnen, einen Lebensstil (im weitesten Sinne) zu entwickeln, mit dem er bestimmten Gruppen von Menschen ähnlich wird bzw. auf Anerkennung durch diese hoffen darf, um sich unu actu von anderen Menschen und Gruppen wirksam abzugrenzen. Subjektive Bedürfnisse lassen sich als vergesellschaftete Triebkräfte begreifen, d. h., sie unterliegen gesellschaftlicher Prägung. Dieser gesellschaftliche Charakter menschlicher Bedürfnisse ist der Grund dafür, dass sie „stets die Möglichkeiten ihrer Befriedigung übersteigen. (…) So kennt auch jede Gesellschaft soziale Normen, die die Mittel und Wege der Bedürfnisbefriedigung regulieren und damit insgesamt ein System der Güterverteilung darstellen, welches zugleich zur Unterdrückung nicht als legitim geltender Bedürfnisse wirkt.“[2] Daran knüpft der soziale Mechanismus an, der bewirkt, dass die verfügbaren Ressourcen des einzelnen im Hinblick auf seine Bedürfnisse stets knapp erscheinen. Sich anderen anzugleichen oder sich auch von ihnen abzugrenzen, indem man zum gegebenen Zeitpunkt bestimmte Entscheidungen über die Verwendung von Ressourcen fällt, bedeutet letzten Endes, die Bedürfnisse zu antipizieren, die mit dem Erreichen oder der Sicherung einer gesellschaftlichen Position verbunden sind. So gesehen besteht ständig die „abstrakte Notwendigkeit, die Befriedigung künftiger Bedürfnisse gegenwärtig sicherzustellen“.[3] Gesellschaftliche Ungleichheit bindet die individuellen Bedürfnisse mehr oder weniger stringent an den Zwang zur „differentiellen Assoziierung“[4]. Mehr von diesem Beitrag lesen