China in der Geschichte der Globalisierung

China in der Geschichte der Globalisierung

Abstract

Ich begreife Globalisierung als einen Prozess, der sich in Schüben seit etwa dem Beginn des 16. Jahrhundert vollzogen hat. Zuvor hat es in der Geschichte mehrere Anläufe zur Globalisierung gegeben, die aber noch nicht zu den für Globalisierung konstitutiven regelmäßigen Verkehrs- und Handelsbeziehungen zwischen den Erdteilen und zu der inzwischen etablierten stabilen multilateralen Interdependenz (Osterhammel/ Petersson) führten. Die Triebkräfte und Auswirkungen der Globalisierung stelle ich in chronologisch angeordneten Kapiteln knapp dar. In jeweils eigenen Kapiteln wird Chinas höchst unterschiedliche Rolle sowohl im Globalisierungsanlauf des 14./ 15. Jahrhunderts (expansiv) wie im ersten Globalisierungsschub ab 1500 (zunehmender Rückzug), im Globalisierungsschub des 19. Jahrhunderts (nahezu bedeutungslos; passiver Spielball der europäischen Mächte) sowie im gegenwärtigen (verspäteter Einstieg, aber dann vorwärts drängend bis zur leadership) skizziert. Schließlich diskutiere ich einige Erklärungsansätze für das so genannte chinesische „Wirtschaftswunder“. Die stark wechselnde Bedeutung Chinas für die betrachteten Globalisierungsphasen ist zugleich ein anschauliches Beispiel für meine These, dass Globalisierung ein marktgetriebener, aber nicht zuletzt stets ein politisch gestalteter Prozess gewesen ist. Mehr von diesem Beitrag lesen

Der Industrie-Pionier und Finanzier Theodor von Cramer-Klett

Der Industrie-Pionier und Finanzier Theodor von Cramer-Klett

 

Vorwort

Freiherr Theodor von Cramer-Klett (geb. 1817, gest. 1884) war einer der führenden Pioniere der Industrialisierung in Bayern und zugleich ein bedeutender Finanzier. Zwei der mit seiner Hilfe begründeten Unternehmen existieren nicht nur heute noch, sondern gehören als DAX-Unternehmen zu den größten der BRD, die MAN und die Munich Re. Andere spielen ebenfalls weiterhin eine wichtige Rolle im deutschen Finanzleben, z. B. die Privatbank Merck, Finck & Co., die 1990 an die Barcleys Bank verkauft und 1999 wiederum von der Kredietbank S.A. Luxembourgeoise (KBL) übernommen wurde, aber immer noch mit mehreren Filialen existiert.[1] Dennoch wird Cramer-Klett in der wirtschaftshistorischen bzw. unternehmensgeschichtlichen Literatur meist nur am Rande erwähnt, i. d. R., wenn es um eines seiner Unternehmen geht.[2] Zwar gibt es einige Skizzen in biographischen Handbüchern[3] sowie in regionalgeschichtlichen Werken[4] und im Internet einen WIKIPEDIA-Artikel.[5] Allerdings existiert bis heute nur eine alte, wegen ihrer Auswertung inzwischen teilweise nicht mehr zugänglicher Quellen jedoch unverzichtbare Biographie dieses Mannes, die 1922 als wirtschaftshistorische Dissertation  veröffentlicht wurde.[6]

Da ich mich im Zuge der Recherchen zu dem Juristen Hermann Pemsel, dem langjährigem Generalbevollmächtigten und Vertrauten Cramer-Kletts, ausgiebig mit letzterem beschäftigen musste, erscheint mir die verfügbare Informationsbasis zu diesem herausragenden Unternehmer unzulänglich, vor allem sehr verstreut, unvollständig und teilweise verzerrt. Deshalb habe ich den folgenden knappen Abriss seines Lebens und Werks verfasst, der die vorliegende einschlägige Literatur zusammenfasst und an einigen Punkten um eigene Archivstudien ergänzt. Dabei handelt es sich zum größten Teil um eine überarbeitete Version einiger Kapitel aus meiner Biographie Hermann Pemsels.[7] Mehr von diesem Beitrag lesen

Die „erste“ Weltwirtschaftskrise 1857-1859

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Der folgende Text stellt die überarbeitete Version meines Beitrags zur Tagung „Finanz- und Wirtschaftskrisen. Schlaglichter im historischen Vergleich“, 6./ 7. November 2009, in der Katholischen Akademie in Bayern, München, dar. Der Text wurde leicht gekürzt abgedruckt in der Zeitschrift „zur debatte“, hg. v. der Akademie, 40 (2010), S. 39-41. Vgl. ergänzend zu den Rahmenbedingungen der Krise meine Darstellung der Industrialisierung Deutschlands auf dieser Homepage.

Einleitung

Wie eine unheimliche Seuche habe sich die Krise im Herbst 1857 weltweit verbreitet, schrieb ein zeitgenössischer Beobachter. „Von dem fernsten Westen der neuen Welt bis nach Stockholm und Moskau, bis nach Smyrna und Odessa. Die Stätten, über welche diese Pestilenz dahingeschritten war, bedeckten sich nicht (…) mit Leichen und rauchenden Schutthaufen, wohl aber mit zahllosen Ruinen des öffentlichen und des Privatwohlstandes.“ Neben der Beschwörung von Proletarierdemonstrationen mit „blutroten Fahnen“ in New York, Tausenden von Bankrotten in kürzester Zeit weltweit, ubiqitärer Massenarbeitslosigkeit, Ausbleiben des Weihnachtsgeschäfts war der Beobachter beeindruckt von einem ganz aktuell anmutenden Phänomen. In Hamburg, „dem Lande der Erbweisheit“, dessen Börse doch der „Tempel der Millionäre“ war, schrien die Mittelklassen nun nach der „Hilfe des Staates (…), der bürokratisch-vormundschaftlich den Privatverkehr unter seine unmittelbare Obhut nehmen sollte (…). Alle Verhältnisse schienen auf den Kopf gestellt: bei nie gekannten Warenvorräten, inmitten reicher Ernten überall Entbehrung; bei vortrefflichen Transportmitteln nirgends Austausch; gegenüber großen Einfuhren edler Metalle aller Orten Geldmangel; trotz der umfangreichsten Kreditanstalten eine Höhe des Zinsfußes, wie sie das Jahrhundert noch nicht gekannt hatte.“[1] Und die Frankfurter Zeitschrift „Der Aktionär“, das Zentralorgan für Börsengänger, schrieb am 18. 10. 1857: „Die Krisis ist mehr als eine europäische, sie ist eine Weltfrage geworden.“[2] Man beschwor demnach apokalyptische Verhältnisse im Weltmaßstab. Mehr von diesem Beitrag lesen