Die „erste“ Weltwirtschaftskrise 1857-1859

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Der folgende Text stellt die überarbeitete Version meines Beitrags zur Tagung „Finanz- und Wirtschaftskrisen. Schlaglichter im historischen Vergleich“, 6./ 7. November 2009, in der Katholischen Akademie in Bayern, München, dar. Der Text wurde leicht gekürzt abgedruckt in der Zeitschrift „zur debatte“, hg. v. der Akademie, 40 (2010), S. 39-41. Vgl. ergänzend zu den Rahmenbedingungen der Krise meine Darstellung der Industrialisierung Deutschlands auf dieser Homepage.

Einleitung

Wie eine unheimliche Seuche habe sich die Krise im Herbst 1857 weltweit verbreitet, schrieb ein zeitgenössischer Beobachter. „Von dem fernsten Westen der neuen Welt bis nach Stockholm und Moskau, bis nach Smyrna und Odessa. Die Stätten, über welche diese Pestilenz dahingeschritten war, bedeckten sich nicht (…) mit Leichen und rauchenden Schutthaufen, wohl aber mit zahllosen Ruinen des öffentlichen und des Privatwohlstandes.“ Neben der Beschwörung von Proletarierdemonstrationen mit „blutroten Fahnen“ in New York, Tausenden von Bankrotten in kürzester Zeit weltweit, ubiqitärer Massenarbeitslosigkeit, Ausbleiben des Weihnachtsgeschäfts war der Beobachter beeindruckt von einem ganz aktuell anmutenden Phänomen. In Hamburg, „dem Lande der Erbweisheit“, dessen Börse doch der „Tempel der Millionäre“ war, schrien die Mittelklassen nun nach der „Hilfe des Staates (…), der bürokratisch-vormundschaftlich den Privatverkehr unter seine unmittelbare Obhut nehmen sollte (…). Alle Verhältnisse schienen auf den Kopf gestellt: bei nie gekannten Warenvorräten, inmitten reicher Ernten überall Entbehrung; bei vortrefflichen Transportmitteln nirgends Austausch; gegenüber großen Einfuhren edler Metalle aller Orten Geldmangel; trotz der umfangreichsten Kreditanstalten eine Höhe des Zinsfußes, wie sie das Jahrhundert noch nicht gekannt hatte.“[1] Und die Frankfurter Zeitschrift „Der Aktionär“, das Zentralorgan für Börsengänger, schrieb am 18. 10. 1857: „Die Krisis ist mehr als eine europäische, sie ist eine Weltfrage geworden.“[2] Man beschwor demnach apokalyptische Verhältnisse im Weltmaßstab.Wie hatte es dazu kommen können? Was war geschehen? Stimmen im Rückblick des historischen Beobachters die Relationen? Warum klingt vieles so aktuell? Fragen, denen ich im Folgenden nachgehen möchte; natürlich in der gebotenen Kürze, so dass das Meiste nur angedeutet bzw. grob gestreift werden kann. Zunächst werde ich einige Anmerkungen zum Krisenbegriff machen, gefolgt von einer Skizze bedeutsamer Aspekte der „Weltwirtschaftskrise“ 1857-1859. Dann stelle ich die „Krise“ im Konjunkturzusammenhang – am Beispiel Deutschlands – dar und ziehe anschießend ein Fazit.

Skizze bedeutsamer Aspekte der „Weltwirtschaftskrise“ 1857-1859

Die später als Krise bezeichneten Ereignisse, gar als Weltwirtschaftskrise, müssen in grösserem Zusammenhang bzw. in etwas weiterer zeitlicher Perspektive gesehen werden. Mehrere säkulare Prozesse bildeten den Kontext

¨     Auflösung des Feudalsystems

¨     Vordringen des Kapitalismus auf Basis des Privateigentums

¨     Durchsetzung der Marktorientierung der Produktion

¨     starke Ausweitung des Welthandels

Einige kürzerfristige Entwicklungen ballten sich in diesem grösseren Zusammenhang zur Krise. Besonders wirkungsmächtig waren zwei Teilprozesse: die Industrialisierung und der Take-Off[3]. Die Industrialisierung hat sich schon seit dem späten 18. Jahrhundert angebahnt (meist geht man von der so genannten Industrial Revolution in England aus, die sich zwischen 1760/80 und 1830 ereignet haben soll[4]). Der Take-Off fand jedoch schwerpunktmäßig während der 1840er und 1850er Jahre statt – selbst in England. Erst dann entstand ein sich selbst nährender Wachstumsprozeß, der als dauerhaft betrachtet werden kann – von Konjunkturschwankungen abgesehen. Die 1840er und 1850er Jahre waren also durch einen fundamentalen strukturellen Wandel geprägt, einen Wandel innerhalb vieler Volkswirtschaften und im Verhältnis der Länder zueinander (am Weltmarkt). Man könnte auch sagen: Hintergrund der Krisen der 1840er und 1850er Jahre war eine langfristige Strukturkrise.

Gleichzeitig aber gab es, das ist die Kehrseite der Medaille, einen mehrere Jahrzehnte andauernden konjunkturellen Aufschwung (1844/45 – 1873), die Aufschwungsphase eines Kondratieff-Zyklus, des „Eisenbahn-Kondratieffs“ (J. A. Schumpeter)[5]. Und dieser gelegentlich von kurzen Krisen unterbrochene Aufschwung fand in allen sich industrialisierenden Ländern der Erde mehr oder weniger ausgeprägt statt. Rosenberg konstatierte  eine „weltwirtschaftliche Konjunkturparallelität“[6] schon während der 1840er, speziell aber während der 1850er Jahre.

Macht man den Fokus, periodenbezogen, noch etwas enger, dann waren die Antriebskräfte für den weltweiten Aufschwung ab etwa 1849/50 (also eingelagert in den langen Take-Off-Aufschwung):

¨     Goldfunde

in den USA (1848) und Australien (1851), die über London nach Europa einströmten. Die Goldproduktion allein von 1848-1862 soll schon mehr als 50% der in den 350 Jahren zuvor weltweit stattgefundenen ausgemacht haben und hatte in der Teilperiode 1849-1857 den Wert von ca. 1,6 Mrd. Talern.[7]

¨     Mobilisierung der Arbeitskräfte

Entfeudalisierung, hier vor allem Verallgemeinerung der modernen Lohnarbeit und Abbau der versteckten Arbeitslosigkeit, d. h. Entstehung weit verbreiteter offener Arbeitslosigkeit, Stichwort: Pauperismus; deshalb massenhafte Binnen- und Auswanderungswellen; permanenter Lohndruck = relativ niedrige Lohnkosten für die arbeitsintensive frühindustrielle Produktionsweise.

¨     Transportrevolution

besonders durch den Eisenbahnbau; aber auch der Dampfschiffbau und die Vergrößerung der Seglertonnage waren beachtlich.

¨     Kapital- und Finanzexpansion

vor allem rasche Verbreitung des Aktienwesens (Durchsetzung der Inhaberaktie); bedeutsam auch die Mobilisierung der „kleinen Ersparnisse“ über Staatsanleihen.

Um Größenordnungen des Kapitalbedarfs für die 1820-1850er Jahre in Deutschland anzudeuten: Relativ gering war der Kapitalbedarf bei Neugründungen in der Textilindustrie mit durchschnittlich 1,6 Mio. M. und in der Chemie mit durchschnittlich 750 Tsd. M.; die zwischen 1826 und 1850 in Preußen gegründeten 18 Aktiengesellschaften (AGs) im Bereich Bergbau und Hüttenindustrie brauchten im Schnitt schon ein Grundkapital von 4,6 Mio. M.; die 27 Eisenbahn-AGs jedoch hatten im Mittel ein Grundkapital von 15,8 Mio. M., ihr Kapitalbedarf war also drei Mal so groß wie der der Unternehmen in Bergbau und Hüttenindustrie und rd. neun Mal so groß wie in der Textilindustrie.

Für den Eisenbahnbau und die Industrialisierung, besonders auch der Schwerindustrie (Bergbau, Eisen schaffende und verarbeitende Industrie), waren die traditionellen Finanzierungsinstitutionen bzw. -gewohnheiten überfordert; benötigt wurden Kapitalsammelstellen und Haftungsbeschränkung für die Anleger; ideal in dieser Hinsicht die Aktiengesellschaft. Hier bedeutsam die von den Eisenbahnen während der frühen 1840er Jahre in der Praxis durchgesetzten Inhaberaktien wegen der damit ermöglichten Kapitalmobilität (anstelle der bis dahin üblichen, schwer transferierbaren Namensaktien); faktisch entstand erst mit den Eisenbahngesellschaften die moderne Aktienbörse.

¨     Herausbildung einer Komplementarität der Wirtschaftsstrukturen am Weltmarkt (internationale Arbeitsteilung)

Fertigwarenexporte aus Europa in koloniale und halbkoloniale Gebiete gegen Rohstoff- und Lebensmittelimporte. Natürlich vor allem wichtig: Baumwollexporte aus den Südstaaten der USA und Fertigwarenexporte Englands (Europas) in die USA, die auf diese Weise zum wichtigen Abnehmer europäischer Industriewaren und damit zum Finanzier der europäischen Expansion wurden; zugleich nahmen sie den großen Bevölkerungsüberschuß Europas auf.

Vor diesem Hintergrund begann ab etwa 1849/50 ein sich beschleunigender Wachstumsprozeß in allen am Weltmarkt agierenden Volkswirtschaften. Leitsektor war der Eisenbahnbau, der durch seine Nachfrage (backward linkages) vorgelagerte Branchen beflügelte, besonders die Schwerindustrie. In allen beteiligten Ländern kam es zu einer enormen Kapitalmobilisierung, angeregt durch die Welle von Firmengründungen; diese hatten oft die Rechtsform der AG, deshalb erfolgte die Kapitalmobilisierung primär über die Börse (Aktienemissionen). Das vorhandene anlagebereite Kapital wandte sich zunehmend von traditionellen Anlageformen (Hypotheken, Staatsanleihen) ab und den neu emittierten Aktien zu (die festverzinslichen Papiere hatten deshalb meist schon 1852/53 ihre Kurshöchststände erreicht, dann gaben die Kurse nach).[8] Die von Werner Sombart für Deutschland getroffene Aussage kann international verallgemeinert werden: „Die 1850er Jahre sind die wichtigste spekulative Periode, die Deutschland bisher erlebt hat. In ihnen wird der moderne Kapitalismus definitiv zur Grundlage der Volkswirtschaft gemacht.“[9]

Über Jahre hin ansteigende Aktienkurse (mit leichten Schwankungen) waren die Regel, ab 1855 bildete sich allenthalben eine regelrechte Hausse heraus. In Europa und in den USA wurden nicht nur viele Eisenbahn-AGs gegründet, sondern ebenfalls AGs in der Schwerindustrie und nicht zuletzt auch im Bankensektor. Speziell in Deutschland wurden neben den Eisenbahnaktien Aktien der neu gegründeten Banken im Verlauf der Hausse das dominante Spekulationsobjekt. Die neuen Banken betätigten sich meist auch als Notenbanken (1851 gab es in Deutschland erst 9 Notenbanken, 1857 waren es bereits 29 – fast alle 1855/56 gegründet).[10] Die Hausse wurde häufig durch kurzfristige Ausleihungen finanziert (meist auf Wechselbasis) oder durch Lombardierung von Wertpapieren (Kreditsicherung durch Aktien), das Kapital setzte man jedoch für langfristige Zwecke ein (z. B. Finanzierung von AGs). In den USA wie in Europa entstand so rasch ein aufgeblähtes, stark gefährdetes Kreditgefüge, das auf fortgesetzte Kurssteigerungen an der Börse angewiesen war.[11]

Hoffnung auf Kursgewinne, fette Renten und hohe Dividenden in kurzer Zeit trieb immer weitere Kreise zur Teilnahme am Börsengeschehen.[12] Alle wollten rasch und zudem mühelos reich werden; ein Merkmal aller Haussephasen in der Geschichte – bis heute. Es fand ein regelrechter Ansturm auf Zeichnungsbüros und Emissionshäuser statt: „Wie es Brauch wurde, Aktien neu gegründeter, viel versprechender Unternehmungen noch vor der Eröffnung der Subskription mit Agio zu handeln, so wurde bei Offenlegung der Zeichnungslisten tage- und nächtelanges Schlangestehen der Interessenten vor den Subskriptionsbüros zu einer weit verbreiteten Erscheinung. Häufig ist es hierbei zu einem rücksichtslosen Stoßen und Drängen, zu wüsten Auftritten und Schlägereien gekommen, bei denen Polizei und Militär zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit eingreifen mussten.“[13] Das sind die praktischen Erscheinungsformen der eben keineswegs nur metaphorisch zu betrachtenden Gier nach mühelosem Gewinn. Überall war massive Überzeichnung des aufgelegten Gründungskapitals die Regel.[14] Andererseits handelte es sich bei den Neugründungen der Jahre 1855/56 auf beiden Seiten des Atlantiks immer häufiger um Unternehmen ohne solide, teilweise ohne jede Geschäftsgrundlage: die Hausse nährte den Gründungsschwindel.[15]

Die Regierungen und die Notenbanken reagierten darauf jedoch widersprüchlich: einerseits wurden verschiedene Warnsignale abgegeben, z. B. von der französischen und der preußischen Regierung, andererseits wurden Kreditschöpfung und Liquiditätsbeschaffung eher weiter erleichtert. Frankreich z. B. verkündete am 9. 3. 1856, es werde keine Konzession für weitere Neugründungen geben; man führte eine Kontrolle der Finanzpresse sowie ein Eintrittsgeld für den Börsenbesuch ein;[16] Maßnahmen, die zwar leichte Verunsicherung schufen, die Hausse jedoch nicht stoppten. Der preußische Handelsminister wiederum erinnerte am 19. 3. 1856 an das nach wie vor geltende Verbot des Terminhandels vom Mai 1844, als man auf diese Weise die erste Börsenhausse mit Eisenbahnaktien in Berlin gestoppt hatte, und drohte am 4. 4. 1856, gegen freie Makler vorgehen zu wollen – allerdings folgenlos.[17] Gleichzeitig wurde zusätzliche Liquidität geschaffen und die Hausse insofern weiter unterstützt. So senkte die Preußische Bank am 5. 5. 1856 den Diskontsatz von 5% auf 4% und gab sukzessive zusätzliche Banknoten im Wert von rd. 12 Mio. Talern und Kassenanweisungen im Wert von rd. 16 Mio. Talern aus (nachdem am 7. 5. 1856 von der Regierung die Begrenzung der Notenemission der Preußischen Bank aufgehoben worden war). Das Wechselvolumen der Preußischen Bank stieg während des Jahres 1856 um fast 40% von 238 auf 331 Mio. Taler[18] (vgl. Tabelle 1 u. 2). Die Maßnahmen waren zwar primär währungspolitisch motiviert, man wollte die Zirkulation ausländischer Banknoten in Preußen unterbinden; faktisch bedeutete das aber: Eine ernsthafte Bekämpfung der Haussespekulation fand nicht statt.

Im Sommer 1856 verbreitete sich Unsicherheit an den Börsen; die Kapitalverknappung wurde spürbar; Neuemissionen waren nicht mehr oder nur noch zu deutlich verringerten Ausgabekursen unterzubringen; die Aufwärtsbewegung der Börsenkurse schlug weltweit um. Das spiegeln beispielhaft die Aktienkurse der Bank für Handel und Industrie, Darmstadt, des Leitpapiers der preußischen Börsen während der Haussephase: Die Kurse erreichten am 2. 6. 1856 den Höchststand (nachdem sie allein von Anfang Mai 1856 in einem Monat noch einmal um rd. 21% von 362 fl. auf 438 fl. angestiegen waren; der Anstieg gegenüber dem Stand von Januar 1856 betrug rd. 54%); sie erholten sich in der Folgezeit nicht mehr, der Abwärtstrend setzte sich vielmehr bis Dezember 1857 fort[19] (vgl. Tabelle 3).

Tabelle 1: Geschäftsdaten der Preußischen Bank 1847-1858

(in Mio. Taler)

Jahr

Wechselbestand

emittierte Banknoten

Edelmetallbestand

(1)

(2)

(3)

(4)

1847

103

12

1848

80

15

1849

65

16

1850

82

18

19

1851

79

19

20

1852

103

20

24

1853

154

20

17

1854

174

20

20

1855

238

20

24

1856

331

32

19

1857

430

*)60

*) Jahreshöchststand am 7. 10. 1857 = 74 Mio. T.
Nach Lichter, J.: Preußische Notenbankpolitik in der Formationsphase des Zentralbanksystems 1844 bis 1857. Berlin 1999, 158 (Sp. 2), 161, 181 u. 222 (Sp. 3), 209 (Sp. 4)

Tabelle 2: Zinspolitik der Preußischen Bank 1856 und 1857

Datum d. Zinsänderung

Diskontsatz

(in v. H.)

Lombardsatz

(in v. H.)

07. 01. 1856

5

6

05. 05. 1856

4

5

03. 09. 1856

5

6

22. 09. 1856

6

6

09. 03. 1857

5

6

18. 08. 1857

5,5

6

19. 09. 1857

6

6

03. 10. 1857

6,5

6

07. 11. 1857

7,5

6

30. 11. 1857

7,5

8

21. 12. 1857

6,5

7,5

Nach Lichter, J.: Preußische Notenbankpolitik in der Formationsphase des Zentralbanksystems 1844 bis 1857. Berlin 1999, S. 226

Halten wir fest: der so genannten Weltwirtschaftskrise 1857-1859 ging eine allgemeine Krise an den Aktienbörsen im Jahre 1856 voraus.

Tabelle 3: Aktienkurse der

Bank für Handel und Industrie, Darmstadt (in Gulden)

Tag Börsenkurs
14. 01. 1856 284
17. 03. 1856 375
Ende März 1856 350
Anfang Mai 1856 362
02. 06. 1856 438 (Höchststand)
22. 09. 1856 389
17. 11. 1856 369
Mai 1857 270
Oktober 1857 241
Dezember 1857 204
Januar 1858 233
Mai 1858 246
Januar 1859 233
28. 04. 1859 (Krieg) 205
Nach Kiehling, H.: Kursstürze am Aktienmarkt. 2. Aufl., München 2000,S. 59ff., 63, 67, 69

Der Abwärtstrend verstärkte sich selbst (ebenfalls ein Merkmal aller Börsenkrisen): Effektenbesitzer, die auf Kredit spekuliert hatten, mussten ihre Papiere bei sinkenden Kursen verkaufen, um Rückzahlungsverpflichtungen bei den Krediten nachzukommen; außerdem forderten viele neu gegründete Unternehmen Nach- oder sogar Volleinzahlungen auf das in der Regel viel zu knapp kalkulierte Grundkapital. Gleichzeitig ließ die Währungspolitik der Preußischen Bank Aktienkurse der zahlreichen außerpreußischen Notenbanken abstürzen [obwohl fast alle Notenbanken die Krise und die folgenden Abschwungsjahre gut überstanden[20], selbst als Preußen im Frühsommer 1857 ankündigte (dem Vorbild Bayerns vom 18. 1. 1857 folgend),  zum 1. 1. 1858 den Umlauf ausländischer Banknoten ganz zu verbieten].[21] Im Spätsommer 1856 standen die zentraleuropäischen und die US-Börsen im Zeichen ausgesprochener Panikstimmung.[22] In einigen Staaten wurden die Diskontsätze erhöht, in London bis auf 7%, in New York sogar bis 11%[23]. Preußen reagierte relativ spät und zurückhaltend, die Preußische Bank erhöhte den Diskont am 3. 9. 1856 von 4% auf 5% (in Hamburg wurden zu der Zeit  schon 7% – 7,5% gefordert) und am 22. 9. weiter auf 6%, beließ es dann aber dabei bis März 1857, als sie den Diskont sogar wieder zurücknahm[24] (vgl. Tabelle 2 )[25].

Während des Winters/ Frühjahrs 1856/ 57 fand an den Aktienbörsen eine leichte Erholung statt, jedoch weltweit keine Trendwende. An der New Yorker Börse z. B. bröckelten die Aktienkurse bis August 1857 allmählich um 10% bis 50% ab,[26] der schon zitierte Kursverfall bei der Bank für Handel und Industrie zeigt die allgemeine Richtung an. Nach wie vor gab es aber verfügbares, Anlage suchendes Kapital. Zum Verständnis der Entwicklung im Spätsommer 1857 ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass dies Kapital von den Aktien- zu den Warenbörsen sowie zum Diskontgeschäft gewandert war; dort verbreitete sich jetzt wieder Haussestimmung. Im August 1857 jedoch brach die Hausse an den Warenbörsen zusammen, ausgelöst durch einen plötzlichen Sturz der Getreidepreise, vor allem in den USA. Dazu trugen nicht nur die hervorragenden Ernten in Europa und den USA bei, sondern besonders auch die Wiederaufnahme der Belieferung Europas mit russischem Getreide nach der Beendigung des Krimkrieges Ende März 1856. Dadurch verloren die amerikanischen Getreidefarmer einen wichtigen Absatzmarkt. Sie blieben auf ihren Ernten sitzen und konnten, da meist hoch verschuldet, ihre Kredite nicht mehr bedienen.[27]

In dies Klima weit verbreiteter Verunsicherung platzte am 24. 8. 1857 die völlig überraschende Zahlungsunfähigkeit der New Yorker Filiale der Ohio Life Insurance and Trust Company. Das Unternehmen galt als solide, hatte sich jedoch im Kreditgeschäft übernommen und zudem stark spekulativ in Eisenbahnaktien engagiert.[28] Die Insolvenz dieser Company wirkte „wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel, (…) wie der Einschlag einer Bombe“[29] und löste in der amerikanischen Geschäftswelt, speziell an der Börse, „kopflose Angst und panikartigen Schrecken“ aus.[30] Eine sintflutartige Baisse brach aus; man verkaufte, was noch Käufer fand zu jedem Preis, die Aktienkurse stürzten ab. In New York stiegen die Zinsen in der letzten Augustwoche von 15% auf 24%.[31] Am stärksten war der Kursverfall bei den Eisenbahnaktien. Vom Stand Ende 1856 fielen bis zum 28. 9. 1857 z. B. Cleveland – Pittsburg von 57 auf 9 $, Erie von 61 auf 13 $, LaCrosse – Milwaukee von 74 auf 7 $ und Michigan – Southern von 87 auf 17 $.[32]

Inzwischen wuchs in den USA die Angst, dass dem aufgeblähten Banknotenumlauf die Edelmetalldeckung bei den Banken fehlen könnte. Sie wurde von vielen Bankiers im Lande geteilt, da man wusste oder zumindest ahnte, dass zahlreiche Banken Noten ohne angemessene Deckung in Umlauf gebracht hatten. Die Unsicherheit nahm zu, als am 12. 9. 1857 das Dampfschiff „Central Amercia“ mit Gold im Wert von 1,5 Mio. $ an Bord in einem Hurricane vor der Küste von South Carolina sank und damit der erhoffte Goldnachschub aus Kalifornien entfiel.[33] Ende September kam es zur Bankenkrise. Sie wurde durch die Philadelphia’s Bank of Pennsylvania ausgelöst, die am 25. 9. 1857 ankündigte, ihre Banknoten nicht mehr gegen Edelmetall einlösen zu wollen.[34] Ein Run auf Edelmetall setzte ein, vor dem rasch viele Banken kapitulieren mußten. Vom 25. bis 29. 9. 1857 suspendierten 150 Provinzbanken in den USA ihre Zahlungen. Die New Yorker Banken hielten sich noch eine Weile; doch als sie im Oktober ebenfalls Kredite sperrten und kurzfristige Ausleihungen radikal einforderten, kam es am 13. 10. 1857 zum Sturm auf diese Banken, dem „Western Blizzard“; 32 von 33 mussten ihre Schalter schließen.[35] Das erzwang ein allgemeines Moratorium in den USA: 1.415 Banken mit einem Notenumlauf von 214,75 Mio. $ stellten im Oktober 1857 ihre Barzahlungen ein.[36] Bis zum Jahresende blieben in den USA ca. 5.000 Unternehmen mit einer Schuldsumme von etwa 300 Mio. $ auf der Strecke; die Arbeitslosigkeit stieg stark an, Demonstrationen und sogar Hungerrevolten waren die Folge.[37]

Als wichtigster Handelspartner der USA und größter Gläubiger war England natürlich von der Krise betroffen: Am 12. 10. 1857 fallierten Handelshäuser in Glasgow; am 27. 10. 1857 erklärte sich die Borough Bank of Liverpool für insolvent; am 9. 11. 1857 stellte die Western Bank of Scotland ihre Zahlungen ein. Das löste einen Run auf die übrigen englischen Banken aus, und am 11. 11. 1857 brach ein führendes Londoner Diskonthaus zusammen.[38] In der Situation betätigte sich die Bank of England erfolgreich als Lender of Last Resort. Sie erhöhte in der 2. Novemberwoche den Notenumlauf und diskontierte große Mengen Wechsel, obwohl ihre Goldreserven extrem zusammengeschmolzen waren. Die Regierung hatte vorübergehend die Peelsche Bankakte mit ihren Deckungsvorschriften suspendiert.[39] Als hilfreich erwies sich zudem, dass der Bank of England alle noch verfügbaren Privatdepositen zuflossen, die bei kleineren Banken abgezogen worden waren. Zugleich erhöhte die Bank innerhalb weniger Wochen schrittweise den Diskontsatz von 5,5% am 8. 10. bis auf 10% am 11. 11. 1857. Das Vertrauen des Publikums konnte wieder hergestellt werden: Am 23. 12. 1857 war die Suspendierung der Bankakte faktisch außer Kraft, der Notenumlauf war angemessen gedeckt; der Diskontsatz wurde auf 8% zurückgenommen (er fiel in den nächsten Wochen weiter bis auf 3% am 10. 2. 1858).[40] Die Krise am Geld- und Kreditmarkt war also binnen weniger Wochen ausgestanden.

Londons Krise strahlte dennoch auf die Weltmärkte als Liquiditätsengpass und Kreditzurückhaltung sowie als fehlende Güternachfrage aus. „Zu einer Panik großen Stils ist es jedoch nur noch in der Welthandelsstadt Hamburg gekommen“,[41] die allerdings ebenfalls innerhalb weniger Wochen bewältigt werden konnte. In Kontinentaleuropa erfolgte die „Liquidierung der konjunkturellen Hochspannung (…) durchweg in ruhigeren Formen und in schrittweisem Tempo, und die Bankenkrise ist beinahe völlig ausgeblieben.“[42] Dennoch behauptet Rosenberg, dass der von den USA und England im Herbst 1857 ausgehende „Stoß (…) nachhaltig und tiefgreifend genug“ gewesen sei, um die allgemeine Konjunkturtendenz „auf dem gesamten Kontinent“, ja, letztlich: weltweit zu bestimmen und den „allgemeinen Absturz der Expansionskonjunktur herbeizuführen“.[43]

Diese Sicht der Dinge erscheint mir in hohem Maße zweifelhaft: Man übersieht die konjunkturelle Eigendynamik. Eine Hausse kann sich ebenso wenig ständig fortsetzen wie ein realwirtschaftlicher Boom. Irgendwann werden die Ressourcen (zumindest vorübergehend) knapp (Rohstoffe, Arbeitskräfte, Energie, Kapital), dann steigen die Preise (Warenpreise, Löhne, Zinsen) und schwinden die Gewinne. Dann werden die Kosten versuchsweise eingedämmt (Senkung der Löhne und Preismargen), dann geht die Güternachfrage zurück, dann deuten sich Überkapazitäten an. Ohne klare Absatz- und Gewinnchancen werden jedoch die Investitionen eingeschränkt, geht die Nachfrage weiter zurück, schlagen die Erwartungen an der Börse um, gibt es eventuell eine Panik, fallen die Börsenkurse, wird das Kreditrisiko zu groß wird die Finanzierungsschranke wirksam. Jeder Boom enthält selbstnegatorische Tendenzen und produziert seine eigene Krise (C. Offe).

Die Entwicklungen in den USA und in England 1857 waren  nur der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Crash und Panik machten in der aufs höchste angespannten Situation an den Waren-, Aktien-, Geld- und Kreditmärkten weltweit die übermäßigen Risiken bewusst, die man eingegangen war, provozierten eine realistischere Einschätzung der Lage. Deshalb setzte der ein bis zwei Jahre dauernde konjunkturelle Abschwung ein, obwohl schon im Frühjahr 1858 überall die Liquiditätsklemme beseitigt war und sich die Zinssätze auf sehr niedrigem Niveau befanden;  allerorten herrschte eine „außerordentliche Geldüberfülle“.[44] Doch ehe die Geschäftswelt davon für investive und spekulative Zwecke wieder Gebrauch machte, musste erst eine Art Gesundschrumpfung stattfinden. Diese Zusammenhänge von Konjunktur und Krise sollen im Folgenden am deutschen Beispiel verdeutlicht werden.

Die „Krise“ im Konjunkturzusammenhang – am Beispiel Deutschlands[45]

Der erste industriewirtschaftlich determinierte Aufschwung in Deutschland 1845-1847 war kurz und relativ schwach. Schon 1848 fand ein Konjunktureinbruch statt, dem eine leichte Rezession bis 1849 folgte.[46] Schon ab 1850 überwogen die Aufschwungstendenzen in der Gesamtwirtschaft, wenn auch keineswegs in allen Branchen, wie der von mir entwickelte Diffusions-Index verdeutlicht, der das Vorherrschen von positiven oder negativen Zuwachsraten in einer Auswahl von Konjunkturindikatoren misst.[47] Vielmehr setzte sich der längste und zugleich stärkste Aufschwung der Take-Off-Phase (1844-1873) fort. Als Konjunkturphasen der 1850er Jahre kann man betrachten: eine Anlaufphase 1849/50-1853, einen Boom 1854-1857 (inkl. „Krise“ 1856/57) und ein Abschwung (Rezession) 1858/59.

 Anlaufphase 1849/ 50-1853

Kurzfristig stiegen die Reallöhne an[48] wegen relativ niedriger Agrarpreise[49]. Das ermöglichte für wenige Jahre eine Expansion der binnenländischen Konsumgüternachfrage. Schon ab 1851 stiegen jedoch die Agrarpreise wieder stark an, entsprechend fielen die Reallöhne. Bis 1855 war deshalb die inländische Massenkaufkraft rückläufig. Eine Ausweitung der Konsumgüterproduktion konnte nur für den Export erfolgen, was Teilen der Textilindustrie gelang. Im Großen und Ganzen setzte sich jedoch im Konsum nahen Bereich der Wirtschaft die depressive Verfassung aus den Pauperismusjahren fort. Auch die Investitionen der Eisenbahnen belebten sich nur zögerlich[50]). Sie besaßen in den 1850er Jahren großes Gewicht in der Gesamtwirtschaft, besonders natürlich im gewerblichen Sektor. Insofern blieben die industriellen Investitionsaktivitäten zunächst noch verhalten, wuchs die Produktion nur langsam. Allerdings dominierte in der Schwerindustrie eine optimistische Grundhaltung im Hinblick auf die erwartete weiter steigende Eisenbahnnachfrage. Zudem reiften die großen Erweiterungs- und Modernisierungsinvestitionen der 1840er Jahre aus. Die Chance zu erfolgreicher Importsubstitution wurde erkennbar, vor allem im Maschinenbau, speziell bei den Eisenbahnzulieferern. Die Tabellen 4 und 5 verdeutlichen, wie rasch die deutschen Hersteller von Lokomotiven und Schienen den gewaltigen Vorsprung besonders Englands hinsichtlich der Qualität und der Mengen aufholten und ab Beginn der 1850er Jahre in der Lage waren, den Bedarf der deutschen Eisenbahnen bei weitem überwiegend (Lokomotiven) oder zumindest zu einem großen Teil (Schienen) zu decken.

Tabelle 4: Herkunftsländer der bis 1853

von den. preußischen Eisenbahnen beschafften Lokomotiven

 

Jahr Zahl

Deutschland

England

stges. Ausland

Zahl

v. H.

Zahl

v. H.

Zahl

v. H.

1838

7

0

0

6

86

1

14

1840

12

1

8

11

92

0

0

1842

22

6

27

12

55

4

17

1844

17

7

41

8

47

2

12

1846

80

56

70

20

25

4

5

1847

106

72

68

14

13

20

19

1849

24

23

96

0

0

1

4

1851

54

54

100

0

0

0

0

1853

105

99

94

0

0

6

6

Nach Fremdling, R.: Eisenbahnen u. deutsches Wirtschaftswachstum 1840-1879, 1975, S. 76

Tabelle 5: Schienen aus deutscher Produktion in Preußen (Anteil in v. H.)

 

1843 10
1851 31
1852 43
1853 48
1854 58
1858 62
1863 85
Nach Fremdling, R.: Modernisierung und Wachstum der Schwerindustrie (…). In: Geschichte und Gesellschaft, 5 (1979), S. 211

Hinzu kamen günstige Rahmenbedingungen um die Wende der 1840er zu den 1850er Jahren. Vor allem sanken Transportgeschwindigkeit und –kosten infolge des in den 1840er Jahren erfolgten Ausbaus des Verkehrssystems, besonders des Eisenbahnbaus (vgl. Tabelle 6).

 

Tabelle 6: Streckenlänge deutscher Eisenbahnen 1835-1859

Jahr eröffnete Strecken(in km) Zuwachs(in km)
1835

6

1837

20

14

1839

242

222

1841

677

435

1843

1310

633

1845

2151

841

1847

4317

2166

1849

5458

1141

1851

6162

704

1853

7177

1015

1855

7862

685

1857

9055

1193

1859

10648

1593

Nach Fremdling, R.: Eisenbahnen und deutsches Wirtschaftswachstum 1840-1879. Dortmund 1975, S. 48

Einen weiteren Stimulus stellten die Goldfunde in den USA (1848) und Australien (1851) dar; sie erhöhten längerfristig den Edelmetallvorrat und damit tendenziell die Geldmenge. Es gab  viel verfügbares Anlagekapital und niedrige Zinsen. Die verstärkte Kapitalanlage im Berg- und Hüttenwesen ging einher mit der Kombination von Bergwerken und Hüttenbetrieben. Damit entstanden in den frühen 1850er Jahren zahlreiche vertikale Konzerne, was die Senkung von Produktionskosten beinhaltet.

Auch institutionelle Verbesserungen brachten positive Wachstumsimpulse.[51] Sie betrafen primär den Bergbau in Preußen, dessen Entwicklung allerdings für die Industrialisierung ganz Deutschlands von höchster Bedeutung war (Stichwort: Entstehung/ Ausbau des Ruhrgebiets und Oberschlesiens). Zu denken ist hier an das Miteigentümer-Gesetz von 1851, mit dem das so genannte Direktionsprinzips der Oberbergämter, d. h. das staatliche Kontroll- und Weisungsrechts innerhalb privater Bergbau-Betriebe, aufgehoben wurde. Ebenso wichtig war, dass man ab 1853 die Feldverleihung allein an erfolgreiche Bohrungen band; aufgehoben wurde die ältere Regel, wonach die Feldverleihung erst aufgrund einer behördlichen Ergiebigkeitsprüfung per „Augenschein“ erfolgte, was die Anlage von teuren Mutungsschächten erfordert hatte.

Außerdem setzten zahlreiche technologische Innovationen Wachstumsimpulse in der Schwerindustrie frei:

¨     im Kohlebergbau das Durchstoßen der Mergeldecke, was den allgemeinen Übergang zum Tiefbauschacht ermöglichte, damit die Erschließung der Fettkohle-Flöze; das erforderte wiederum den massenhaften Einsatz von Dampfmaschinen für Fördertechnik, Belüftung und Entwässerung; hinzu kamen Kostenvorteile des Größenwachstums, die so genannten economies of scale

¨     in der Hüttenindustrie die generelle Einführung des Kokshochofens, was für sich schon eine Effizienzsteigerung gegenüber der Verhüttung mit Holzkohle bedeutete, nun seinerseits gesteigert wurde durch die Nutzung der Gichtgase und andere technische Verbesserungen

¨     in der Eisen verarbeitenden Industrie die Duchsetzung der Stahlherstellung im Puddelverfahren

¨     im Maschinenbau gab es rasche Verbesserungen der Dampfmaschinen und viele Neuentwicklungen

Boom ab 1854

Ab 1854 nahm der Aufschwung boomartige Züge an, dessen stärkster Motor die rasch wachsende Eisenbahnbachfrage war. Zeitgenossen urteilten: „Der hauptsächlich durch das Eisenbahnwesen hervorgerufene ungeheuere Bedarf an Eisen und Steinkohlen ist die Ursache, dass um dieselbe Zeit, in welcher das Eisenbahnwesen seinen höheren Aufschwung genommen, das grosse Capital sich auch auf die Berg- und Hütten-Unternehmungen, namentlich auf den Steinkohlenbergbau und das Eisenhüttenwesen warf und Anlagen schuf, die an Grossartigkeit und Productionsfähigkeit frühere Schöpfungen beträchtlich in den Schatten stellen.“[52] Von 1834 bis 1850 wurden im Berg- und Hüttenwesen insgesamt nur 10 AGs mit einem autorisierten Aktienkapital von 22 Mio. Talern gegründet, von 1851 bis 1860 jedoch 76 AGs mit einem Aktienkapital von 81 Mio. Talern, davon 22 mit einem Aktienkapital von 24 Mio. Talern allein im Jahr 1856.

Der Boom erfasste nahezu alle Gewerbe, hatte seinen Schwerpunkt allerdings in der Schwerindustrie (im Gefolge des Eisenbahnbaus); die Konsumgüterindustrien wuchsen dagegen weiterhin nur langsam. Es bildeten sich starke regionale Disparitäten heraus. In den (wenigen) schwerindustriell geprägten Regionen kam es zu verstärkter Arbeitskräftenachfrage und in deren Gefolge zu Nominallohnsteigerungen. Das belebte auch die Konsum nahe gewerbliche Konjunktur. Große Teile Deutschlands blieben jedoch primär landwirtschaftlich dominiert; hier stagnierten die Reallöhne oder sanken sogar (bei steigenden Nahrungsmittelpreisen). In diesen Regionen herrschte spürbarer Pauperismus inklusive weit verbreiteter Arbeitslosigkeit oder zumindest Unterbeschäftigung während großer Teile des Jahres. Entsprechend gering blieben die Impulse für die Konsumgüterproduktion. Andererseits provozierten diese regionalen Disparitäten die großen Ströme der Binnenwanderung (von Osten nach Westen, in geringerem Umfang auch von Süden nach Norden) und das Städtewachstum, nicht zuletzt jedoch die Auswanderung, besonders in die USA.

„Krise“ 1856/ 57

1856 gab es alle Anzeichen eines heisslaufenden Booms: Nominallohnsteigerungen, damit Kostenerhöhungen in den Wachstumsregionen (-industrien); Ausschöpfung des Kapitalangebots, was starken Zinsanstieg und eine Verengung der Kreditvergabe auslöste. Man kann sagen, dass sich eine Finanzierungsschranke für die weitere Expansion ausbildete. Vor dem Hintergrund erfolgte 1856 er oben erwähnte Kurssturz an den (ja noch jungen) Aktienbörsen (vgl. oben Tabelle 3). 1857 war überall ein ausgeprägter Liquiditätsmangel spürbar. Die Unterkapitalisierung vieler Neugründungen wurde sichtbar, besonders in der Hüttenindustrie und im Bergbau, was überall zur Einforderung von Volleinzahlung auf das Anlagekapital oder gar zur Notwendigkeit von Kapitalerhöhungen führte. Man erkannte die entstandenen Überkapazitäten in der Schwerindustrie, die mit sinkenden Gewinnen und Umsätzen verbunden waren. Das erforderte den Stopp des Ausbaus (der Vollendung) vieler spektakulärer Neugründungen.

Abschwung (Rezession) 1858/ 59

Ab 1858 entfiel mit dem Rückgang der realen Investitionsnachfrage der Eisenbahnen für einige Jahre der wichtigste Wachstumsstimulus. In der Schwerindustrie folgten Jahre der Gewinnlosigkeit, 1858/59 fanden sogar Produktionsschrumpfungen (bei vergrößerten Kapazitäten) statt. Die auf den Weltmärkten spürbare Panik und Krise ab 1857 ging mit rückläufiger Exportnachfrage einher; das betraf besonders die exportorientierten Teile der Landwirtschaft und die Textilindustrie. Andererseits fällt das starke Kapitalangebot ab 1858 auf, also parallel zur Rezession. Allerdings war es für industrielle Zwecke nicht verfügbar; für einige Zeit wurden weniger riskante Anlageformen (primär Staatsanleihen) bevorzugt. Da jedoch die Agrarpreise über mehrere Jahre hin sanken, kam es zu einem Anstieg der Reallöhne bis 1859 (bei den Menschen, die nicht arbeitslos wurden), also zu einem positiven Impuls für die Konsumgüterindustrien. Er blieb jedoch schwach und konnte die rezessiven Tendenzen in der Schwerindustrie und im Eisenbahnbau nicht überkompensieren. Deshalb bleibt das dominante Bild eines konjunkturellen Abschwungs, in dem die Märkte erst allmählich in die vorhandenen Kapazitäten hinein wachsen müssen und die Projekte auf einen angemesseneres Maß zurückgefahren werden.

Fazit

Die Weltwirtschaftskrise 1857-1859 war demnach im Kern ein heftiger konjunktureller Abschwung, der – je nach Volkswirtschaft – 1,5 bis 3 Jahre dauerte. Eine Krise im echten Sinne, eine Entscheidungssituation, die wenige Tage, maximal Wochen beanspruchen könnte, lag im September 1857 vor (nach dem erneuten Crash an der New Yorker und an der Londoner Börse wegen des Zusammenbruchs der Ohio Life Insurance and Trust Company); diese Krise war bis zum Dezember des Jahres 1857 bewältigt.

Was in der Literatur als Weltwirtschaftskrise tituliert wird, steht auch bei denen, die diesen Terminus benutzen, unter der Überschrift „Folgen der Krise“. Das halte ich für ansatzweise zutreffend. Nur impliziert diese Redeweise, dass die Krise eine Folge der Krise gewesen sein soll – eine analytisch wenig hilfreiche Sicht der Dinge. Die bewusste Krise (im echten Sinne) vom Herbst 1857 war das Nachspiel zu der Börsenkrise im Sommer 1856, als die etwa 2 Jahre anhaltende Hausse mit ihren aberwitzigen Auswüchsen zusammenbrach. Diese erste Krise war eine typische Spekulations- und Börsenkrise mit geringen Auswirkungen auf die Realsphäre. Die dann folgende so genannte Weltwirtschaftskrise ist demnach aus dem Konjunkturzusammenhang heraus zu erklären als zyklischer Abschwung nach der krisenhaften Zuspitzung des langen Aufschwungs im Spätsommer 1857. Die Börsenhausse der Jahre 1855/ 1856 und die dazu gehörende Krise erscheinen wiederum typisch; so verlaufen fast alle Finanzmarktkrisen seit dem 17. Jahrhundert. Das spiegelt sich auch in der jeweiligen zeitgenössischen Berichterstattung, die mit stereotypen Formulierungen die Erscheinungsformen der Hausse, die Verhaltensweisen und Motive der Beteiligten und deren Reaktionen schildert – seit dem 17. Jahrhundert

Fast immer gehört zur Reaktion auf die akute Krise der Ruf nach staatlicher Hilfe und eine vorübergehende Büßerhaltung, die sich gern mit Kritik am ungezügelten Kapitalismus und zugleich moralisch einkleidet. Diese sehr aktuell anmutende Haltung wurde historisch häufig überliefert. Nehmen wir als Beispiel den Bericht der Handelskammer Mainz aus dem Jahre 1857 für das Krisenjahr 1856. Dort heißt es: „Das verwichene Jahr gab Gelegenheit, sich zu überzeugen, dass das bloße Vorhandensein von großen Kapitalmassen an und für sich noch keine Wohltat für das Allgemeine ist; dass die Macht des Kapitals unter Umständen sogar einen destruktiven Charakter annehmen, für Staat und Gesellschaft gefährliche Erscheinungen heraufbeschwören kann, wenn ihr nicht die Weisheit der Gesetzgebung und Tüchtigkeit der Geschäftswelt zur Seite stehen.“[53] [Hervorhebungen R. S.] Übersehen wird, dass der Staat meist lange Zeit den Entwicklungen zur Krise verständnislos und hilflos zugesehen hatte; er reagierte fast immer zu spät und dann eher prozyklisch, oft als letzter Anstoß zur Krisenauslösung – so Preußen im Mai 1844 und im Mai 1856. Kein Wunder, dass die Geschäftswelt diesen Staat und seine „weise Gesetzgebung“ (wie die Handelskammer Mainz formulierte) nach einer Konsolidierung recht schnell wieder loswerden möchte bzw. nach Möglichkeit ins Leere laufen lässt.

Schließlich ist festzuhalten, dass Krise und konjunktureller Abschwung wohl in der Regel dann besonders heftig und lang andauernd ausfallen, wenn sie mit einer Strukturkrise zusammentreffen. Für die so genannte Krise der 1850er Jahre gilt das insofern, als sie, wie Knut Borchardt das in Bezug auf die gesamte Epoche einmal formuliert hat, vom „Dualismus der Übergangszeit“ geprägt war, vom Nebeneinander und teilweisen Gegeneinander des sich durchsetzenden Industriekapitalismus auf der einen Seite und der überkommenen Agrarwirtschaft auf der anderen. Insbesondere bei der Börsenkrise in den USA 1856 war das deutlich, für die der starke Rückgang der Getreidepreise infolge sehr guter Ernten mitbestimmend war. In Deutschland wiederum wurde die rege Beteiligung des Adels an der Börsenhausse der 1850er Jahre, die sicher auch Vorbildcharakter für bürgerliche Anleger hatte, zweifellos durch den Kapitalzustrom aus den Ablösungszahlungen der „befreiten“ Bauern stimuliert. Aktuell werden die Folgen der Finanzmarktkrise überlagert und verschärft durch eine Strukturkrise, die in der bisher mangelhaft bewältigten Anpassung der europäischen und amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft an die Bedingungen der Globalisierung zu sehen ist. Dass davon während der letzten Jahre kaum die Rede ist, besonders nicht in der derzeitigen Politik, scheint mir eine wenig hilfreiche Vogel-Strauß-Reaktion zu sein.


[1] Die Verkehrskrisis des Jahres 1857. In: Preußische Jahrbücher (1858), 1, S. 97 f., hier zitiert nach Rosenberg, H.: Die Weltwirtschaftskrise 1857 – 1859. 2. Aufl., Göttingen 1974, S. 134 f.

[2] Der Aktionär, v. 18. 10. 1857, S. 622; hier zitiert nach Rosenberg, S. 136.

[3] Die Merkmale des Entwicklungsstadiums Take-Off sind: Ansteigen der Nettoinvestitionsquote auf mehr als 10% des Nettosozialprodukts; Entstehung von sich ablösenden Leitsektoren mit sehr hohen Wachstumsraten und starken backward linkages (Effekte der Inputbeschaffung) und forward linkages (Effekte der Outputverwendung) zu anderen Branchen;  Durchsetzung neuer Produktionsfunktionen infolge reger Innovationstätigkeit; Entwicklung eines leistungsfähigen Finanzsystems und eines institutionellen Rahmens, der rasches Wachstum toleriert oder sogar fördert. Vgl. Rostow, W. W.: Stadien wirtschaftlichen Wachstums. 2. Aufl., Göttingen 1967.

[4] Die Literatur zur Industrial Revolution in England füllt ganze Bibliotheken. Vgl. die Namensgebung bei Toynbee, A.: Lectures on the Industrial Revolution of the Eighteenth Century in England. 1. Aufl., London 1884; hier 7. Aufl., 1923, S. 64-73. Einen neueren Überblick bietet Pierenkemper, T.: Umstrittene Revolutionen. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Frankfurt/ M. 1996, bes. S. 10-37; sowie die erhellende Diskussion unterschiedlicher Interpretationsansätze bei Lee, W. R.: Die Industrielle Revolution Großbritanniens: Eine neue Sicht auf ein altes Thema. Köln 2003 (Kölner Vorträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, H. 43).

[5] Auch zu den Kondratieff-Zyklen oder Langen Wellen ist die Literatur äußerst umfangreich. Vgl. Schumpeter, J. A.: Business Cycles. 2 Bde., New York 1939, Kap. 6 u. 7. Eine zusammenfassende kritische Darstellung bei Spree, R.: Lange Wellen wirtschaftlicher Entwicklung in der Neuzeit. Histo­rische Befunde, Erklärungen und Untersuchungsmethoden. Köln 1991 (= Historical Social Research – Historische Sozialforschung, Supple­ment No. 4), hier besonders S. 29-39.

[6] Rosenberg, S. 78.

[7] Vgl. Rosenberg: S. 39, nach Soetbeer (1863).

[8] Vgl. Rosenberg, S. 98.

[9] Sombart, W.: Die deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert. Berlin 1903, S. 95.

[10] Vgl. Rosenberg, S. 90.

[11] Vgl. Rosenberg, S. 94.

[12] Vgl. Rosenberg, S. 98.

[13] Rosenberg, S. 100.

[14] Vgl. Rosenberg, S. 101 f.

[15] Vgl. Rosenberg, S. 103.

[16] Vgl. Rosenberg, S. 106 u. 109.

[17] Vgl. Kiehling, H.: Kursstürze am Aktienmarkt . 2. Aufl., München 2000, S. 61.

[18] Vgl. Lichter, J.: Preußische Notenbankpolitik in der Formationsphase des Zentralbanksystems 1844 bis 1857. Berlin 1999, S. 158, 181, 222 u. 226.

[19] Vgl. auch das Schaubild 12 bei Kiehling, S. 60.

[20] Vgl. Lichter, S. 213.

[21] Vgl. Lichter, S. 215 u. 218.

[22] Vgl. Rosenberg, S. 108.

[23] Vgl. Rosenberg, S. 110.

[24] Vgl. Lichter, S. 225f..

[25] Zur Entwicklung des Privatdiskontsatzes in Hamburg vgl. Spree, R.: Wachstumstrends und Konjunkturzyklen in der deutschen Wirtschaft von 1820 bis 1913. Göttingen 1978, S. 183, u. Ders.: Die Wachstumszyklen der deutschen Wirtschaft von 1840 bis 1880. Berlin 1977, S. 382.

[26] Vgl. Rosenberg, S. 117.

[27] Vg. Rosenberg,. S. 116.

[28] Vgl. Rosenberg, S. 117.

[29] Cincinnati Daily Gazette v. 25. 8. 1857; hier zitiert nach Huston, J. L.: The Panic of 1857 and the Coming of the Civil War. Baton Rouge und London 1987, S. 14.

[30] Vgl. Rosenberg, S. 117 f.

[31] Vgl. Rosenberg, S. 118.

[32] Vgl. Rosenberg, S. 119.

[33] Vgl. Huston, S. 16.

[34] Vgl. Huston, S. 17.

[35] Vgl. Huston, S. 22 f.; Schmidt, A. P.: Die erste große und globale Weltwirtschaftskrise im Jahr 1857. In: Telepolis; www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30044/1.html, Stand v. 17. 11. 2009.

[36] Vgl. Rosenberg, S. 121.

[37] Vgl. zu den sozialen Folgen Huston, S. 25-34, sowie zu den politischen Folgen Huston, passim.

[38] Vgl. Rosenberg, S. 123.

[39] Vgl. Rosenberg, S. 126.

[40] Vgl. Rosenberg, S. 127.

[41] Rosenberg, S. 128; zu Hamburg besonders Ahrens, G.: Krisenmanagement 1857. Staat und Kaufmannschaft in Hamburg während der ersten Weltwirtschaftskrise. Hamburg 1986.

[42] Rosenberg, S. 131.

[43] Rosenberg, S, 132.

[44] Rosenberg, S. 139.

[45] Vgl. zum Folgenden Spree, R.: Die Wachstumszyklen, bes. S. 331-344; Ders.: Wachstumstrends, S. 106-109.

[46] Vgl. ergänzend zum Zusammenhang der verschiedenen Krisen (Hungerkrise 1846, Gewerbekrise 1847, politische Krise 1848) Berger, H., u. Spoerer, M. : Economic Crises and the European Revolutions of 1848. In: Journal of Economic History, 61 (2001), S. 293-326.

[47] Vgl. zur Index-Konstruktion Spree: Wachstumstrends, S. 103-109, ein Schaubild des Index S. 107. Im Übrigen kann ich der Meinung z. B. von Thorp nicht folgen, der behauptet, dass sich die Rezession von 1848 bis 1853 fortgesetzt habe. Vgl. Thorp, W. L.: Business Annals. New York 1926, S. 203.

[48] Vgl. Gömmel, R.: Realeinkommen in Deutschland. Ein internationaler Vergleich (1810-1914). Nürnberg 1979 (Vorträge zur Wirtschaftsgeschichte, H. 4), S. 27.

[49] Vgl. Jacobs, A., u. Richter, H.: Die Großhandelspreise in Deutschland von 1792 bis 1934. Vierteljahrshefte zur Konjunkturforschung, hg. v. E. Wagemann, Sonderheft 37, Berlin 1935, S. 74.

[50] Vgl. Spree, Die Wachstumszyklen, S. 398, und die technischen Erläuterungen S. 516 f.

[51] Vgl. Holtfrerich, C.-L.: Quantitative Wirtschaftsgeschichte des Ruhrkohlenbergbaus. Eine Führungssektoranalyse. Dortmund 1973, S. 26-30.

[52] Jahrbuch für die amtliche Statistik des preußischen Staats, 1 (1863), S. 425.

[53] Zitiert nach Rosenberg, S. 110.

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3 Responses to Die „erste“ Weltwirtschaftskrise 1857-1859

  1. Frank Retzlaff says:

    Sehr geehrter Herr Professor,

    dies ist ein sehr interessanter Beitrag, insbesondere die Wirkungen der Tarifentwicklungen finde ich beeindruckend.
    Leider vermisse ich zu Ihren Ausführungen zum Berliner Kohlenmarkt nähere Quellenangabe. Ist dies noch möglich?
    Vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen,
    Frank Retzlaff

    • rspree says:

      Dank für den Hinweis. Die fehlende Quellenangabe bezieht sich allerdings nicht auf den Text „Die erste Weltwirtschafskrise“ (s.o.), sondern auf meine Darstellung der Industrialisierung Deutschlands. Dort ist die Quelle als Fn. 34a) nachgetragen.
      Gruß Reinhard Spree

  2. Johnf0 says:

    I have not checked in here for a while since I thought it was getting boring, but the last few posts are good quality so I guess I’ll add you back to my daily bloglist. You deserve it my friend egebecedeegb

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