Ein Konzept zur Analyse sozialer Ungleichheit

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Gesellschaften bestehen aus Menschen, die in verschiedenster Hinsicht ungleich sind. [1] Die differenzierenden Merkmale sind teils schlicht gegeben (sozusagen mit der menschlichen Natur des einzelnen), oder sie werden im Laufe der Biographie erworben. Dieser prinzipiellen Ungleichheitserfahrung korrespondiert ein mit der Zunahme der Vergesellschaftungstendenzen stärker werdendes Bedürfnis des einzelnen, einen Lebensstil (im weitesten Sinne) zu entwickeln, mit dem er bestimmten Gruppen von Menschen ähnlich wird bzw. auf Anerkennung durch diese hoffen darf, um sich unu actu von anderen Menschen und Gruppen wirksam abzugrenzen. Subjektive Bedürfnisse lassen sich als vergesellschaftete Triebkräfte begreifen, d. h., sie unterliegen gesellschaftlicher Prägung. Dieser gesellschaftliche Charakter menschlicher Bedürfnisse ist der Grund dafür, dass sie „stets die Möglichkeiten ihrer Befriedigung übersteigen. (…) So kennt auch jede Gesellschaft soziale Normen, die die Mittel und Wege der Bedürfnisbefriedigung regulieren und damit insgesamt ein System der Güterverteilung darstellen, welches zugleich zur Unterdrückung nicht als legitim geltender Bedürfnisse wirkt.“[2] Daran knüpft der soziale Mechanismus an, der bewirkt, dass die verfügbaren Ressourcen des einzelnen im Hinblick auf seine Bedürfnisse stets knapp erscheinen. Sich anderen anzugleichen oder sich auch von ihnen abzugrenzen, indem man zum gegebenen Zeitpunkt bestimmte Entscheidungen über die Verwendung von Ressourcen fällt, bedeutet letzten Endes, die Bedürfnisse zu antipizieren, die mit dem Erreichen oder der Sicherung einer gesellschaftlichen Position verbunden sind. So gesehen besteht ständig die „abstrakte Notwendigkeit, die Befriedigung künftiger Bedürfnisse gegenwärtig sicherzustellen“.[3] Gesellschaftliche Ungleichheit bindet die individuellen Bedürfnisse mehr oder weniger stringent an den Zwang zur „differentiellen Assoziierung“[4].

Max Haller hat 1983 ein Konzept publiziert, das sich besonders gut eignet, Prozesse der Ausbildung, Tradierung oder auch Aufhebung von Strukturen sozialer Ungleichheit, vor allem im Reproduktionsbereich moderner Gesellschaften, zu analysieren. Es knüpft an Max Weber an[5] und wird von mir im Folgenden in sozialpsychologischer Richtung akzentuiert und erweitert. Gemäß diesem Konzept wird soziale Ungleichheit als Resultat des Zusammenwirkens von zwei komplementären Strukturierungsprozessen begriffen, der Klassenbildung und der Schichtbildung. Diese Prozesse sind systematisch aufeinander bezogen und stets gleichzeitig in der Gesellschaft wirksam, auch wenn einer von beiden unter angebbaren Bedingungen zeitweilig ein gewisses Übergewicht besitzen kann. Die theoretisch wie empirisch unfruchtbare Gegenüberstellung von Klassen- und Schichtungsansatz (als sich ausschließend oder höchstens zufällig ergänzend) wird damit überwunden, ebenso wird die besonders bei Historikern beobachtbare Vermischung beider Kategoriensysteme vermieden, die meist beabsichtigt, Klassen als beobachtbare soziale Einheiten mit Schichteigenschaften zu behandeln. Ziel sowohl von Soziologen wie Historikern ist i. d. R. soziale Gruppen mit eindeutigen Merkmalen zu identifizieren, die als handelnde in Erscheinung treten. Genau das ist aber bei Gruppen, die mit vorab festgelegten Kriterien definiert werden, nur ausnahmsweise der Fall. Das hier vorzustellende Konzept erklärt vor allem auch diese Tücke der Sozialstrukturanalyse. Einschränkend sei hinzu gefügt, dass die fundamentalen Strukturierungsprozesse, Klassen- und Schichtbildung, ihre Wirksamkeit erst voll entfalten können, wenn ständische oder kastenmäßige Strukturierungen ihre Dominanz weitgehend verloren haben. Sie lassen sich demnach primär in modernen Gesellschaften beobachten und treten in diesen umso klarer in Erscheinung, wie auf höheren Wohlfahrtsniveaus überwältigende materielle Mangelsituationen verschwinden. Die Schichtbildung wird zudem verstärkt durch die säkularen Individualisierungstendenzen, also die zunehmende Unwirksamkeit traditioneller, verpflichtender Werte, Handlungsorientierungen und Rollenzwänge.[6]

Der Prozess der Klassenbildung findet im Bereich der Produktion und Verteilung knapper Ressourcen auf den Güter- und Arbeitsmärkten statt. Wirksam ist er vor allem in der kollektiven Erringung oder Verteidigung bestimmter Positionen auf diesen Märkten. Er beinhaltet die Ausdifferenzierung von Klassenlagen als Marktlagen, die durch eine jeweils unterschiedliche Ausstattung von Individuen oder Gruppen mit marktgängigen bzw. marktvermittelten Ressourcen und Lebenschancen bestimmt sind. Die Marktlage kommt in der Verfügungsmacht über marktverwertbare Güter und/oder Leistungsqualifikationen zum Ausdruck. Sie ist insofern der Inbegriff der Lebenschancen in den Dimensionen Reichtum, Wissen und Macht. Für den Zweck der Analyse von Klassenlagen der großen Masse der Erwerbsbevölkerung, d.h. der unselbständig Erwerbstätigen, können diese Dimensionen operationalisiert werden als Vermögenseinkommen oder Rente, Grad der formalen Qualifizierung und Weisungsbefugnis (kombiniert mit dem Ausmaß von Autonomie am Arbeitsplatz). Die Zahl der mit Hilfe dieser Indikatoren bestimmbaren Klassenlagen in einer Gesellschaft ist abhängig vom vorgegebenen Grad der Differenzierung in den drei Dimen-sionen.

Strategien der Arbeitgeber bezüglich der Betriebs- und Arbeitsorganisation, durch die Arbeitsplätze mit spezifischen Anforderungs- und Leistungsprofilen geschaffen werden, sowie der Entlohnung, die die Einkommensdifferenzierung und -verteilung determinieren, beeinflussen die Klassenlagen. Aber auch die konjunkturelle Entwicklung und der technologisch-wirtschaftliche Strukturwandel haben mittel- und langfristig Einfluss auf die Marktlage von abhängig Erwerbstätigen. Als Vermittlungsglied fungiert hier das unternehmerische Rekrutierungsverhalten. Durch dieses können im übrigen auch Elemente des Lebensstils zu Einflussfaktoren auf die Klassenlage werden, etwa wenn die Besetzung bestimmter betrieblicher Positionen u.a. am Zustand und an den Leistungen der Familie des Bewerbers bzw. seiner Herkunftsfamilie orientiert wird (Bestand einer Ehe; Art und Ort der schulischen Ausbildung; Sprachverhalten; kulturelle Aktivitäten; Kleidungsstil; betriebene Sportarten etc. als Einstellungskriterien).[7]

Verschiedene Klassenlagen können als eine soziale Klasse aufgefasst werden, wenn zwischen ihnen inter- bzw. intragenerationelle Mobilität häufig oder sogar die Regel ist. Anders gesagt: Mobilitätsschranken bilden Klassengrenzen. Diese werden besonders durch formale Qualifikationsniveaus markiert.[8] Allerdings werden soziale Klassen nur selten zu handelnden Gruppen. Gemeinsam ist den Angehörigen einer sozialen Klasse ein Satz von positionsgebundenen Bedürfnissen, die als Klasseninteressen in Erscheinung treten können. Typischerweise werden sie durch relativ anonyme Großorganisationen stilisiert und mobilisiert bzw. vertreten (Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen als Prototypen), die auf den entsprechenden Märkten, vor allem auf dem Arbeitsmarkt, ein ausreichendes Machtpotential verkörpern können. Die Gemeinsamkeit der Klassenlage ist – von der meist recht formal bleibenden Mitgliedschaft in einer Interessenorganisation abgesehen – den Individuen in der Regel nicht bewusst und hat auf ihre Lebensführung keinen direkten Einfluss.

Unmittelbar handlungsrelevante psycho-soziale Dispositionen und andere Elemente der Lebensführung, damit auch die Familie und ihre Leistungen, stehen dagegen im Mittelpunkt der Schichtbildung. Diese drückt sich vor allem aus in dem schon angesprochenen Prozess der differentiellen Assoziierung. Hierbei handelt es sich um den Versuch von Individuen und Gruppen, sich bestimmten sozialen Einheiten zuzuordnen, von anderen dagegen abzugrenzen und das durch einen spezifischen Lebensstil sowie durch dazu gehörende Mentalitäten und Wertvorstellungen zu dokumentieren.

Die Schichtbildung wird in diesem Konzept strikt als sozialpsychologischer Prozess gefasst und aller Verteilungsaspekte entkleidet. Da diese Sicht im Rahmen von Schichtungsanalysen nicht selbstverständlich ist, scheinen einige zusätzliche Erläuterungen insbesondere des zentralen Mechanismus in diesem Prozess, der differentiellen Assoziierung, angebracht zu sein. Sie wird vorangetrieben durch die Suche des Menschen nach sozialer Bestätigung (Erwerb und Sicherung eines angestrebten sozialen Status; Prestige) und nach Zufriedenheit bzw. Glück. Soziale Anerkennung beruht nun allerdings auf erfolgreicher Teilhabe an gesellschaftlicher Interaktion, die wiederum die Ausbildung einer sozialen Identität einschließt. Voraussetzung für Glück und Zufriedenheit ist andererseits die Sicherung einer vom Individuum selbst akzeptierten, insofern subjektiven Identität. Die Schichtbildung ist – so gesehen – untrennbar verknüpft mit den Problemen der Gewinnung und Stabilisierung von sozialer und subjektiver Identität.

Nach Lothar Krappmann ist der Prozess der differentiellen Assoziation als Kern der Bemühungen um Identitätsgewinnung und -stabilisierung anzusehen.[9] Die Suche des Menschen nach Aufbau und Sicherung einer sozialen und subjektiven Identität wird allerdings nicht als anthropologische Konstante verstanden, sondern als sozialstrukturell bedingte Anforderung. Sie ist umso dringlicher und unabweisbarer, je stärker Gesellschaften funktional sowie strukturell ausdifferenziert und zugleich individualisiert sind. In derartigen (modernen) Gesellschaften ist der einzelne stets mit einer Vielzahl von teilweise widersprüchlichen, in jedem Fall disparaten Rollenanforderungen konfrontiert, während gleichzeitig die gesellschaftlich vorgegebenen Rolleninterpretationen immer diffuser und vor allem unverbindlicher werden.[10] Schon das verlangt den eigenen Interpretationsakt bei der Rollenübernahme und damit Ansätze zur Entwicklung einer Identität, macht also den Versuch unmöglich, sich stets ohne eigenen Interpretationsanteil „rollengerecht“ zu verhalten.

Außerdem resultiert der Zwang zur Identitätsbildung aus der Notwendigkeit, die vielen disparaten Rollen in einer Person zu vereinbaren (sie sozusagen „auf die Reihe“ zu bekommen). Die Anforderung besteht darin, bei der Ausfüllung verschiedenartiger Rollen für die sozialen Interaktionspartner noch als identisch erkennbar zu bleiben. Allzu große Diskrepanz beim Handeln gemäß der einen oder der anderen Rolle macht das Verhalten für Dritte unberechenbar, unglaubwürdig. Die Akzeptanz durch Dritte wird gefährdet, damit die Fähigkeit zu erfolgreichem sozialem Handeln. Es droht die Isolation und der Entzug sozialer Anerkennung. Der Status ist in Gefahr.

Diese Anforderungen werden zusätzlich akzentuiert durch die Diffusität des role sets:[11] Bei der Ausfüllung jeder einzelnen Rolle ist man typischerweise mit den abweichenden Rolleninterpretationen durch verschiedene Bezugsgruppen konfrontiert. Jede dieser Bezugsgruppen erwartet ein etwas anders akzentuiertes, ihren spezifischen Interessen oder Bedürfnissen entgegenkommendes Verhalten vom Rolleninhaber. Dieser kann sich unmöglich so verhalten, dass er es „allen recht macht“. Er muss bestimmte Verhaltenserwartungen enttäuschen, andere kann er befriedigen. Insofern bildet er notwendigerweise eine soziale Identität aus.

Andererseits ist es für die Bewahrung des eigenen Selbstwertgefühls unabdingbar, sich in den Auseinandersetzungen und Anpassungsbemühungen, die die soziale Interaktion ausmachen, stets noch selbst erkennen und akzeptieren zu können. Die subjektive Identität darf nicht verloren gehen. Insofern hat die in steter Auseinandersetzung mit disparaten, teilweise geradezu widersprüchlichen sozialen Verhaltensanforderungen einerseits, mit den (begrenzten) eigenen Möglichkeiten und dem idealisierten Selbstbild andererseits zu suchende und zu sichernde Identität eine der Gesellschaft zugewandte und eine nach „innen“ gewendete Seite (soziale versus subjektive Identität). Sie muss zwischen den fremden und den eigenen Ansprüchen, die sich zudem während des Lebens häufig wandeln, immer neu errungen oder, wie Krappmann schreibt, balanciert werden. Die gelingende Balance ist Voraussetzung für die Erringung von Autonomie, für die Sicherung erfolgreicher Teilnahme an sozialer Interaktion und Kommunikation. Identitätsfindung/-sicherung hat eine Schlüsselfunktion auf dem Weg zum Idealtyp des autonomen, handlungsfähigen, mit sich selbst identischen Subjekts.

Nun kann der Kreis zur Schichtbildung geschlossen werden. Den gesellschaftlichen Verkehr auf Personen zu begrenzen, denen man einen ebenbürtigen Status zubilligt, und darüber hinaus einen Lebensstil zu entfalten, der demjenigen einer geschätzten Bezugsgruppe entspricht, vermindert die Konfrontation mit allzu widersprüchlichen Rollenanforderungen – jedenfalls im privaten oder Reproduktionsbereich. Die Angehörigen der sozialen Schicht, der man sich zuordnet, teilen ja als Elemente des gleichen Lebensstils angeglichene Wertvorstellungen und Weltanschauungen, ähnliche „Ansichten“ über angemessene Kleidung, Wohnungseinrichtung, Kindererziehung, kulturelle Beschäftigungen, Freizeitaktivitäten etc. Sie interpretieren viele soziale Rollen (z.B. die Geschlechts- und Altersrollen, die Freizeitrollen usw.) ähnlich. Das erhöht die Verhaltenssicherheit im Umgang mit Schichtangehörigen und fördert die Akzeptanz des eigenen Verhaltens durch die soziale Umwelt.

Die Schichtbildung im engeren wie im weiteren Sinne, d.h. die differentielle Assoziierung, erleichtert es, einen angestrebten sozialen Status zu erringen und zu sichern. Zugleich unterstützt sie die Orientierung an klaren Wert- und Geschmacksvorstellungen, an relativ eindeutigen Verhaltensmaßstäben und damit die Gewinnung und erfolgreiche Balance der Identität. Die ständige Konfrontation mit abweichenden Maßstäben und Lebenszielen, mit abweichendem Lebensstil, stellt zwar eine möglicherweise belebende Herausforderung für das Individuum dar. Sie ist aber erkennbar auch eine Belastung, der nicht jeder und vor allem nicht jederzeit gewachsen ist. Sie kann geradezu als unmittelbare Bedrohung der eigenen Identität erlebt werden. Schichtbildung dient also der Gewinnung und Aufrechterhaltung eines angestrebten sozialen Status und zugleich der damit eng verbundenen Identitätssicherung.

Nach dem Gesagten ist einsichtig, dass Schichtbildung die Klassenbildung nicht ersetzt, sondern systematisch ergänzt; dass sie sich vor allem in der Reproduktionssphäre, damit im Bereich des Familien-, Freundes- und Bekanntenkreises abspielt; dass ihr bedeutsamstes Medium der Lebensstil und damit u.a. der Konsum, das Sozialisationsverhalten, die Freizeitinteressen und -aktivitäten sind.

Zugleich dürfte allerdings deutlich geworden sein, dass Schichten zwar ständig durch aktives Handeln geschaffen werden, aber dennoch i. d. R. nicht als soziale Gruppen mit abgegrenzter, gar formalisierter Mitgliedschaft und einer eigenen Willensbildung auftreten. Schichten konstituieren sich faktisch durch konkludentes soziales Handeln von Individuen bzw. Familien (Haushalten), die jedoch nur begrenzt voneinander wissen. Schichten lassen sich als solche kaum organisieren und stellen deshalb i. d. R. auch keine Handlungseinheiten dar. Klassen wiederum bekommen eine besondere soziale Kraft und lebenspraktische Wirksamkeit, wenn es ihnen gelingt, durch Vermittlung eines übergreifenden, gemeinsamen Wertsystems, das auch die Reproduktionssphäre einschließt, die internen Schichtdifferenzen unwirksam werden zu lassen und sich als einheitliche Schicht zu konstituieren. Das gelang weitgehend im Bereich der deutschen Arbeiterbewegung während des späten Kaiserreichs: Hier etablierte sich in den deutschen Mittel- und Unterschichten eine breite soziale Schicht, die sich als soziale Klasse verstand und als solche gesellschaftlich-politisch agierte.

Abgesehen von solchen Sonderfällen, in denen Schichten organisiert in Erscheinung treten, lassen sie sich nicht als hinsichtlich der personellen Zusammensetzung klar begrenzte Gruppen identifizieren. Das folgt nicht nur aus der Unmöglichkeit, ganze Populationen hinsichtlich von Gruppen übereinstimmenden Lebensstils zu analysieren. Vielmehr sind Lebensstile als solche nicht trennscharf zu operationalisieren. Zudem umfassen bzw. prägen sie nicht das gesamte soziale Handeln von Menschen, die sich vielmehr durchaus gleichzeitig – je nach sozialem Aspekt – verschiedenen und mit Sicherheit im Lebenslauf wechselnden Schichten zuordnen. Daraus folgt, dass in empirisch-historischen Untersuchungen soziale Klassen oder Schichten nicht eindeutig herausgearbeitet werden können. Gezeigt werden kann vielmehr, wie die Prozesse der Klassen- und Schichtbildung in der Hervorbringung von empirischen Mustern strukturierter sozialer Ungleichheit historisch zusammenwirken.


[1] Vorarbeiten für den Aufsatz über Klassen- und Schichtbildung im Medium des privaten Konsums, dem das im Folgenden dargestellte Konzept entnommen ist, entstanden im Rahmen eines sozialhistorischen Forschungsprojekts des Verfassers am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin. Der Aufsatz stellt die überarbeitete und erweiterte Fassung der Antrittsvorlesung dar, die der Verfasser am 25. 1. 1988 vor der Philosophischen Fakultät der Universität Konstanz gehalten hat. Erstveröffentlichung unter dem Titel „Knappheit und differentieller Konsum während des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts in Deutschland“ in: Siegenthaler, H. (Hg.): Ressourcenverknappung als Problem der Wirtschaftsgeschichte. Berlin 1990, S. 171-221 (Schriften des Vereins für Socialpolitik, Bd. 192). Leicht überarbeiteter Reprint „Klassen- und Schichtbildung im Medium des privaten Konsums: Vom späten Kaiserreich in die Weimarer Republik.“ In: Historical Social Research – Historische Sozialforschung, 22 (1997), No. 2, S. 29-80.

Das hier vorgestellte Konzept wurde kürzlich erfolgreich in einer weiteren Analyse von Konsummustern eingesetzt und brachte beachtliche Ergebnisse; vgl. Fischer, H. K.: Soziale Ungleichheit im Spiegel des Konsums. Eine clusteranalytische Untersuchung zum differentiellen Konsum im Kaiserreich. In: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte/ Economic History Yearbook, (2010/ 1), S. 229-257; ausführlicher Ders.: Konsum im Kaiserreich. Eine statistisch-analytische Untersuchung privater Haushalte im wilhelminischen Deutschland. Berlin 2011, bes. S. 213-277. Rezeption und Einordnung in die Theorie der Sozialstruktur bei Rössel, J.: Plurale Sozialstrukturanalyse. Eine handlungstheoretische Rekonstruktion der Grundbegriffe der Sozialstrukturanalyse. Wiesbaden 2005, S. 77-83.

[2] Dreitzel, H. P.: Die gesellschaftlichen Leiden und das Leiden an der Gesellschaft. Vorstudien zu einer Pathologie des Rollenverhaltens. Stuttgart 1968, S. 243.

[3] Luhmann, N.: Wirtschaft als soziales System. In: Ders.: Soziologische Aufklärung. Aufsätze zur Theorie sozialer Systeme. Köln u. Opladen 1970, S. 207.

[4] Haller, M.: Theorie der Klassenbildung und sozialen Schichtung. Frankfurt/M. u. New York 1983, S. 107, und die dort zitierte Literatur.

[5] Vgl. zum Folgenden neben Haller ergänzend bes. Weber, M.: Wirtschaft und Gesellschaft. 5. Aufl., Studienausgabe, Tübingen 1972, S. 177-180 u. 531-540.

[6] Vgl. hierzu vor allem Beck, U.: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/M. 1986, S. 206ff.

[7] Vgl. Hohn, H.-W., u. Windolf, P.: Lebensstile als Selektionskriterien. Zur Funktion „biographischer Signale“ in der Rekrutierungspolitik von Arbeitsorganisationen. In: Brose, H.-G., u. Hildenbrand, B. (Hg.): Vom Ende des Individuums zur Individualität ohne Ende. Opladen 1988, S. 179-207.

[8] Vgl. dazu auch Terwey, M.: Klassenlagen als Determinanten von Einkommensungleichheit. In: Zeitschrift für Soziologie, Bd. 13 (1984), H. 2.

[9] Vgl. die in ihrer Reichweite für soziales Verhalten viel zu wenig rezipierten luziden Ausführungen von Krappmann, L.: Soziologische Dimensionen der Identität. Strukturelle Bedingungen für die Teilnahme an Interaktionsprozessen. Stuttgart 1971, S. 7-131.

[10] Vgl. auch Luckmann, T.: Persönliche Identität, soziale Rolle und Rollendistanz. In: Marquard, O., u. Stierle, K. (Hg.): Identität. München 1979.

[11] Vgl. Merton, R. K.: Der Rollen-Set: Probleme der soziologischen Theorie. In: Hartmann, H. (Hg.): Moderne amerikanische Soziologie. 2. Aufl., Stuttgart 1973, S. 321-325.

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