Geschlechterverhältnis und bürgerliche Familie im 19. Jh.


(Überarbeitete Version eines Kapitels aus meiner Biographie des Advokaten Karl Wilhelm Hermann Pemsel[1])

Die Beziehungen zwischen den Geschlechtern machten während des 19. Jahrhunderts eine tiefgreifende, folgenschwere Veränderung durch: Aus Frauen und Männern mit einem partnerschaftlichen Verhältnis bei jeweils eigenen, aber gleichwertigen und auch nicht prinzipiell fixierten Aufgabenbereichen im Haushalt wurde ein Unterordnungsverhältnis von biologisch dichotomisierten Wesen, in dem angeblich die Natur dem Manne eine grundsätzliche Dominanz der Frau zuwies. Die sich etablierende Vorstellung polarisierter Geschlechtscharaktere[2], die in der Familie komplementäre, aber nicht gleichwertige funktionelle Rollen übernehmen, war die ideologische Reaktion auf das (räumliche) Auseinandertreten von Berufs- und Erwerbssphäre auf der einen Seite, Haushalts- und Familiensphäre auf der anderen im Zuge von Industrialisierung und Verstädterung. Die von den Männern mit großem Aufwand und sehr erfolgreich betriebene soziale und rechtliche Abwertung der Frau traf zwar im späten 19. Jahrhundert auf erste Widerstände, die sich nach dem Ersten Weltkrieg verstärkten. In Deutschland wurde die allmähliche Emanzipation der Frauen aus den patriarchalischen Strukturen noch einmal durch die fundamentalistische Ideologie des Nationalsozialismus stark geschwächt. Aber auch in den anderen westlichen Industriestaaten kam sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg spürbar voran. Im Folgenden sollen die Dimensionen dieser Strukturen, um deren Abbau bis heute gerungen wird, ihre Herausbildung während des 19. Jahrhunderts und die Hintergründe ihrer Wirkungsmächtigkeit skizziert werden.

Nach derzeit weitverbreiteter Auffassung arbeiteten Männer und Frauen in der vorindustriellen Haushalts- und Familienform des ‚ganzen Hauses’[3], die typischerweise bei Bauern, Handwerksmeistern und Kaufleuten anzutreffen war, mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen, aber partnerschaftlich zusammen. Im ‚ganzen Haus’ waren Erwerbs- und Privatsphäre unter einem Dach vereinigt und auch symbolisch kaum getrennt, indem die Kernfamilie (Eltern und Kinder) mit verschiedenen Verwandten und dem Gesinde bzw. anderen familienfremden Haushaltsangehörigen (im Handwerk Lehrlinge und Gesellen, im Handel Lehrlinge und Commis) gemeinsam arbeitete, wohnte und aß. Das ‚ganze Haus’ „bezeichnete somit eine Rechts-, Arbeits-, Konsum- und Wirtschaftseinheit.“[4] Es gab „keine geschlechtsspezifische Unterscheidung von produktiven und konsumtiven Tätigkeiten. In der Gemeinschaft des ‚ganzen Hauses’ wurde (…) die weibliche Arbeit ebenso hoch bewertet wie die des Mannes.“[5] Allerdings war das ‚ganze Haus’ auch ein Herrschaftsgebilde, in dem der Hausvater über alle dem Haus Angehörenden einschließlich der Ehefrau herrschte. „Alle Abhängigkeitsverhältnisse im Haus sind auf den Hausherrn bezogen, der als der leitende Kopf aus ihnen überhaupt erst ein Ganzes schafft.“[6] Dazu war, wie schon Aristoteles behauptete, nur der Mann befähigt. Die durch Zurücksetzung und Unterordnung unter den Mann charakterisierte rechtlich-gesellschaftliche Stellung der Frau im Deutschland des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hatte demnach eine alte Tradition.[7]

Diese begann sich jedoch unter dem Einfluss der Aufklärungsphilosophie und der Französischen Revolution einerseits, den Auswirkungen des durch zunehmende Marktabhängigkeit, Kapitalisierung und Industrialisierung charakterisierten wirtschaftlichen Strukturwandels andererseits aufzulösen. Besonders die Französische Revolution ist als eminente Herausforderung zu sehen, „indem die Rechtsgleichheit als allgemeines Menschenrecht postuliert wurde.“[8] So verankerte denn auch das ‚Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten’ von 1794 als einzige der drei großen Privatrechtskodifikationen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die gleichzeitig aufgenommenen gesetzlichen Ausnahmen machen jedoch deutlich, dass die Fähigkeit der Frau zu rechtsverbindlichem Handeln als Ausfluss einer Ambivalenz liberal-bürgerlicher Gesellschaftsvorstellungen widersprüchlich beurteilt wurde. Dem Individuum sollten zwar weitgehende Freiheits- und Handlungsrechte zustehen, gleichzeitig wollte man jedoch an der patriarchalischen Gesellschafts- und Familienstruktur festhalten. Deshalb stellte das Allgemeine Landrecht die unverheiratete Frau „in bezug auf ihre Geschäftsfähigkeit grundsätzlich den Männern gleich“[9] und hob auch die Vormundschaft des Ehemannes gegenüber seiner Ehefrau im Prinzip auf, ersetzte diese aber durch eine Reihe von Regelungen, mit denen die übergeordnete Stellung des Mannes bestätigt wurde.[10] Die ideologische Neubegründung der Unterordnung der Frau unter den Mann, vor allem im Bürgertum, seit dem frühen 19. Jahrhundert kann als Abwehrkampf der Männer gegenüber den die familialen Machtverhältnisse in Frage stellenden Forderungen der Französischen Revolution und der Aufklärung gesehen werden.[11]

Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert war besonders der soziale Ort des Bildungsbürgertums, soweit sie nicht Beamte des Staates, der Kommunen oder der Kirchen geworden waren, sehr unsicher und durch vielfältige Abhängigkeiten gekennzeichnet, Abhängigkeitsverhältnisse, in denen nicht zuletzt Frauen eine bedeutsame Rolle spielten. Die Ärzte suchten z. B. ihr Auskommen überwiegend als Hausärzte reicher Bürger oder des Adels, zu denen sie sich in einem Patronage-Verhältnis befanden.[12] Die Krankheiten der Ehefrauen und Töchter und deren Zufriedenheit mit dem Auftreten und dem Rat des Arztes waren oftmals entscheidend für die Frage, wie hoch sein von den Patienten bestimmtes Honorar sein und ob man weiterhin seine Dienste in Anspruch nehmen würde. Der in dieser Hinsicht erfolgreiche Arzt wurde dann häufig der Vertraute der Ehefrau und regelmäßiger Gast an der Tafel des Hauses.[13] Ähnlich erging es auch vielen „Gelehrten“, die auf eine Anstellung als Beamter hofften, sich zunächst aber lange Zeit als Hauslehrer oder Hofmeister und in ähnlichen abhängigen Positionen unter wachsamer Kontrolle der jeweiligen Hausherrin/ Hausfrau durchschlagen mussten.[14] Auf die Demütigungen reagierten sie mit der Suche nach ‚wahrer Männlichkeit’, für die das antike Griechenland Vorbilder lieferte. Praktische Bedeutung erlangte diese Suche vor allem „in den neu entstehenden Männerzirkeln und Männerklubs sowie in den Geheimbünden. Hier bildet sich jener ‚Kitt der Brüderlichkeit’ (Reinhart Koselleck), der sich dann mit der Konstituierung der bürgerlichen Öffentlichkeit als ‚Männerbund’ voll entfalten wird. Es gibt gegen Ende des 18. Jahrhunderts so etwas wie eine genuine politische ‚Männerbewegung’ mit dem Ziel, den Einfluss der Frauen und Damen auf Staat und Gesellschaft einzudämmen.“[15]

Diese Bewegung war ziemlich erfolgreich, sowohl durch Einwirkung auf die Formulierung von Rechtsnormen als auch durch Entwicklung und Verbreitung einer frauenfeindlichen Ideologie. „Ein spezifisch neuer, bürgerlicher Patriarchalismus, der (…) als Reaktion auf die besonderen gesellschaftlichen Verhältnisse entstanden war und mit großem ideologischen Aufwand und mit juristischen Mitteln institutionalisiert wurde, hat die Lage der Frauen entscheidend geprägt. Bürgerliches Recht, vor allem das Familienrecht, und eine pseudowissenschaftliche Ideologie, die sich in allen Disziplinen breitmachte – von der Pädagogik über die Familiensoziologie bis zur Nationalökonomie – haben so einen traditionellen Herrschaftsanspruch des Mannes gestützt, der brüchig geworden und von der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung überholt worden war.“[16] In diesem Zusammenhang zu sehen sind auch die Versuche bedeutender Philosophen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, emphatisch die Allgemeingültigkeit von Menschenrechten zu begründen, die dann jedoch später in Männerrechte umgedeutet werden. In ihrer eigenen privaten Praxis wie auch in ihren Schriften zementierten diese „Meisterdenker“ (Ute Frevert) ebenfalls die prinzipielle Ungleichheit der Geschlechter und rechtfertigten faktisch die Minderstellung der Frau im Recht, in der Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft.[17]

Johann Gottlieb Fichte z. B. sah in seiner Grundlage des Naturrechts die Chance der Frau, als geschlechtliches Wesen die „Würde der Vernunft“ zu wahren, allein darin, sich im Geschlechtsakt zum Mittel der Befriedigung des Mannes zu machen. „Sie behauptet ihre Würde, ohnerachtet sie Mittel wird, dadurch, dass sie sich freiwillig, zufolge eines edlen Naturtriebs, des der Liebe, zum Mittel macht.“[18] Sie unterwirft sich dem Manne und hat keinen anderen Willen als den seinigen.[19] Einmal auf dieser Denkschiene, gibt es für Fichte sozusagen kein Halten mehr. Im Abschnitt über das Eherecht versteigt er sich, in der Konsequenz der bisherigen Überlegungen, zu der Aussage, die „unbegrenzte Unterwerfung der Frau unter den Willen des Mannes“ sei der Inbegriff der Ehe. Aus diesem folge wiederum, dass die staatliche Anerkennung der Ehe den Verzicht des Staates impliziere, „das Weib von nun an als juridische Person zu betrachten. Der Mann tritt ganz an ihre Stelle.“[20] Insofern könne es auch gar nicht anders sein, als dass der Mann das Verfügungsrecht über alle Güter der Frau besitze und für diese in der Öffentlichkeit handele. Aufklärung und Berufung auf das Naturrecht begünstigten also keineswegs die Emanzipation der Frau, vielmehr lieferten sie im Denken Fichtes die zwingende philosophische Begründung für die Minderstellung der Frau. Man müsste ergänzen: Neben den genannten sozusagen sozial- oder geisteswissenschaftlichen Disziplinen (nach heutigem Verständnis) waren es vor allem und mit viel weitreichenderen Folgen die Medizin und die Biologie, also die in den Augen der Zeitgenossen exakten Naturwissenschaften, die an dem Bemühen mitwirkten, die gesellschaftlich-politische und vor allem auch die rechtliche Ungleichheit der Geschlechter zu legitimieren.[21]

Ausfluss der seit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gewachsenen gesellschaftlich-politischen und rechtlichen Diskriminierung der Frau und zugleich deren institutionelle Bedingung war die so genannte bürgerliche Familienform.[22] „Erst mit der Verallgemeinerung der bürgerlichen Familienform zum verbindlichen Familienmodell für die ganze Gesellschaft, ja, mit ihrer Verkehrung zur Naturform von Familie schlechthin, wird die Bindung aller Frauen an Haus und Familie perfekt, gewinnt die Abhängigkeit der Frau ihre historisch neue, bürgerlich-patriarchale Qualität.“[23] Die bürgerliche Familie ist in reiner Form selbst im späten 19. Jahrhundert empirisch schwer zu fassen. Um ihre strukturellen Merkmale darzustellen, ist es deshalb ratsam, eher vom bürgerlichen Familienideal zu sprechen, also einem normativen Konstrukt, dem im Laufe des 19. Jahrhunderts immer breitere Kreise zunächst des Bildungsbürgertums, etwa ab der Jahrhundertmitte zunehmend auch des Wirtschaftsbürgertums nachstrebten.[24] Grundlage ist die Vorstellung einer Komplementarität polarisierter Geschlechtscharaktere, in denen sich das Auseinandertreten von Berufs- und Erwerbssphäre auf der einen Seite, Haushalts- und Familiensphäre auf der anderen spiegelt.[25] „Aus dieser Trennung (…) von ‚Öffentlichkeit’ und ‚Privatheit’ ergab sich ein familialer Binnenraum, der durch die Intimisierung und Sentimentalisierung der Beziehungen ausgefüllt werden sollte. Das hatte sowohl eine neue Definition der geschlechtsspezifischen Rollen der Frau und des Mannes als auch eine Pädagogisierung des Umgangs mit den Kindern und damit die Entfaltung eines neuen Typus von bürgerlicher Kindheit zur Folge.“[26] In funktionalistischer Sichtweise kann diese Entwicklung auch so gedeutet werden, dass der Haushalt mit der Herauslösung der Erwerbsarbeit seine Produktionsfunktion verlor. Damit wird der Mann, der außerhalb des Hauses das existenzsichernde Einkommen erwirtschaften muss, zum alleinigen Ernährer der Familie, während die Frau, ins Haus verbannt, zunehmend nur noch den Konsum organisiert. Die in dem Zusammenhang geleistete Arbeit wird unsichtbar und abgewertet.[27]

Mit der Trennung von öffentlicher Erwerbsarbeit und privatem Familienleben vollzog sich eine Intimisierung der auf die Eltern und ihre Kinder beschränkten Kernfamilie, deren Binnenraum emotional aufgeladen wurde. An die Stelle der Produktionsfunktion trat die Erholungs- und Entlastungsfunktion. Die Familie wurde zum Gegenmodell der von wirtschaftlichen Imperativen beherrschten, durch Leistungsprinzip und Konkurrenz geprägten Gesellschaft. Gemäß dem sich unter diesen Bedingungen entwickelnden bürgerlichen Familienideal durfte nur der Mann erwerbstätig sein und musste ein Einkommen erzielen, das die Familie ernährte. Er vertrat die Familie nach außen, nahm alle öffentlichen Aufgaben wahr, während er gleichzeitig eine starke Autorität innerhalb der Familie beanspruchte. In diesem Sinne besaß der Mann eine ‚Richtlinienkompetenz’ für die Sozialisation der Kinder und fühlte sich für die Gestaltung ‚besonderer’ Ereignisse (Feiern, Feste) zuständig. Bemerkenswert auch, dass bis ins späte 19. Jahrhundert Sparsamkeit als eine zu verinnerlichende Tugend hochgeschätzt wurde, selbst wenn die äußerlichen Lebensbedingungen sie nicht mehr erforderlich machten und der tatsächliche Lebensstil in den gehobenen Kreisen sich weit davon entfernte.[28]

Andererseits, eben komplementär, fand die Frau ihre Erfüllung in der Privatheit als Hausfrau und Mutter. Sie war von jeder Art gesellschaftlich-politischer Mitwirkung ausgeschlossen, trat nur zu Repräsentationszwecken in der Öffentlichkeit auf, kümmerte sich um den Haushalt sowie den Familienalltag und sozialisierte die Kinder en détail. „Zur Wissenschaft und Profession stilisiert, erfuhr die Mutterrolle einerseits eine neue Qualität und Aufwertung, die bewusst mit der männlichen Berufswelt parallelisiert wurde, andererseits, versehen mit dem Siegel der Ausschließlichkeit und als Gegenwelt deklariert, hingegen von ihr ausschloss.“[29] Vor allem war die Ehefrau für die Rekreation des Mannes zuständig und nahm dabei eine emotionale Ausgleichsfunktion wahr. Auf diese Weise geriet die Frau in eine ausschließlich „dienende Rolle und – auf die gehobenen Schichten bezogen – in die Rolle des ‚Accessoires’ männlicher Macht: Sie repräsentierte mit ihrem Körper, ihrer Schönheit und ihrer Eleganz, nicht zuletzt auch mit ihrer Fähigkeit zu konversieren nicht primär sich selbst, sondern den beruflichen Erfolg ihres Mannes.“[30] Allerdings war es der Frau bei geschicktem Einsatz ihrer Talente in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit durchaus möglich, ein wenig aus dem Schatten ihres Mannes herauszutreten und eigenes Profil zu gewinnen, etwa durch Pflege von    Abendgesellschaften und eine besondere Gastlichkeit.[31] Andererseits konnte eine Frau sehr darunter leiden, wenn sie, wie z. B. Rudolf Virchows Frau Ferdinande, nicht in der Lage war, selbstbewusst und aktiv diese Rolle des ‚Accessoires’ ihres Mannes mitzugestalten; ihre rein haushalts- und familienbezogenen Tätigkeiten erlebte sie als wertlos – vor allem im Vergleich mit den bedeutenden Leistungen ihres Mannes.[32] Im Übrigen hatte sie sich nach herrschender Auffassung aus dieser beruflich-geschäftlichen Sphäre des Mannes vollständig herauszuhalten und wurde typischerweise auch über diese kaum informiert. Bezeichnend in diesem Zusammenhang die Ermahnung von Werner Siemens in einem Brief an seinen 13 Jahre jüngeren Bruder, als dieser sich verlobte und seine Braut, eine Bankierstochter, sich offenbar für das Geschäftliche zu interessieren begann: „Strenge Trennung des Geschäftes und seiner Rücksichten vom Familien- und häuslichen Leben musst Du obenan auf Deine Fahnen schreiben.“[33]

Diese Trennung der Sphären spiegelte sich auch in der Kleidung. „Denn in der Öffentlichkeit wurde – ab der Mitte des 19. Jahrhunderts – der gesellschaftliche Rang eines Mannes hauptsächlich durch die Garderobe seiner Frau repräsentiert. Während die Damenmode nicht prächtig, farbig und ausladend genug sein konnte, zeichnete sich die Herrenmode in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch schwarz-graue Zurückhaltung aus. (…) Die modischen Raffinessen mussten der Arbeit und Leistung weichen, wobei die schlichte und praktische Kleidung des Engländers dem deutschen strebsamen Bürger als Vorbild diente.“[34]

In dem Refugium, zu dem man das bürgerliche Heim für den erwerbstätigen Mann erklärte, vor den Härten im Berufs- und Wirtschaftsleben geschützt, wurde die Kommunikation zwischen den Ehepartnern stark aufgewertet. Zumindest wieder dem Anspruch nach hatten die Partner in viel stärkerem Maße als in traditionellen Haushalts- und Familienformen, die von den Anforderungen der Produktion und des Erwerbs geprägt waren, wechselseitig ihre Individualität wahrzunehmen und schätzen zu lernen.[35] Unter Voraussetzung der Polarität von Mann und Frau wurde die Verschmelzung der Gegensätze zum Ausdruck der ehelichen Liebe. „Vor diesem Hintergrund konzentrierten sich bürgerliche Paare mit zum Teil erstaunlichen Energien auf die Entdeckung der anderen Persönlichkeit (…). Bei jeder kürzeren Trennung schrieben sie einander selbst nach vielen Ehejahren regelmäßig Briefe und verfassten bei längerer Abwesenheit regelrechte Tagebücher, um sich einander mitzuteilen, um sich zu verstehen und auch um verstanden zu werden.“[36] Man wollte sozusagen des anderen habhaft werden. „Sein Selbst suchte der Bürger im Spiegel der geliebten Person.“[37] Vermutlich drückte sich allerdings häufig in dieser Kommunikationsdichte bei räumlicher Trennung zugleich ein Kontrollbedürfnis speziell des Mannes gegenüber der Frau aus.

Es liegt auf der Hand, dass in dieser Konstellation, diesem Wechselseitig-Aufeinander-Verwiesen-Sein, ein großes Konflikt- oder Enttäuschungspotenzial angelegt war (und ist), dem Männer sich nur allzu oft mit frenetischer Arbeitswut oder Pflege von zeitaufwendigen politischen oder geselligen Verpflichtungen zu entziehen versuchten. Dafür ist der als rastlos geschilderte Rudolf Virchow ebenfalls ein vielleicht extremes, aber doch die Tendenz kennzeichnendes Beispiel, von dem sein Biograph berichtet, er habe „oftmals den größten Teil der Woche lediglich eine halbe bis eineinhalb Stunden zu Hause“[38] verbracht. Da blieb kaum Zeit, um mit der Ehefrau in einer Weise zu kommunizieren, dass sie sich der Wertschätzung als Individualität durch ihren Mann versichert fühlen konnte.

Die Schwierigkeiten, in der ihr verordneten sozialen Rolle ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln, wurden für die Ehefrau vergrößert durch den typischen Altersunterschied zwischen Frau und Mann bei der Eheschließung, der gerade im Bildungsbürgertum oft 10-15 Jahre betrug (lange Ausbildungszeiten, viele Jahre Einarbeitung in untergeordneten Positionen, ehe eine „familiengerechte“ Position eingenommen werden konnte). Der Mann sollte zudem die notwendige Lebenserfahrung mitbringen, die die junge Frau aufgrund ihrer schon bisher ganz in den elterlichen Haushalt verbannten Existenz normalerweise nicht besitzen konnte, so dass sie meist bruchlos aus der Obhut der Eltern in die des Ehemannes wechselte.[39]

Schließlich konnte bei gehobenem Einkommen das Gefühl der Nutzlosigkeit dadurch provoziert werden, dass eine eigentliche Tätigkeit im Haushalt wegen der Dienstboten kaum erforderlich war. Die für eine Berufsausbildung und -tätigkeit der Frauen kämpfende Fanny Lewald hat diese Situation 1869 sehr kritisch kommentiert: Es empörte sie geradezu, wenn sie die Frauen aus dem gehobenen Bürgertum „das Lob des häuslichen Herdes singen hörte, an dem sie nie in ihrem ganzen Leben gestanden hatten; wenn ich sie, die sich aus Eitelkeit und Zerstreuungssucht nur zu häufig fast allen ihren häuslichen Pflichten zu entziehen wissen,  von dem Beruf der Gattin und der Mutter salbungs-  und gefühlvoll predigen hörte, während eine bezahlte Haushälterin ihr Haus versah, ein bezahltes entehrtes Frauenzimmer ihre Kinder nährte, eine bezahlte Gouvernante ihre Kinder überwachte und erzog; während sie selber die Morgen in ihren Equipagen auf der Promenade und die Abende am Toilettentisch mit dem Friseur, und danach mit oder ohne ihre Männer im Theater oder in der Gesellschaft zubrachten, weil sie mit sich selber nichts anzufangen (…) wussten.“ [40] Budde konstatiert auf der Basis des von ihr ausgewerteten breiten biographischen Materials aus Deutschland und England ausdrücklich, dass sich viele Frauen nur schwer mit den Zumutungen ihrer Rolle arrangieren konnten. „Eine Reihe von Bürgermüttern wählte mehr oder minder häufig kleine Fluchten aus den Einengungen ihrer Rolle. Zur Schaffung dieser Nischen und Schonräume instrumentalisierten sie nicht selten das Weiblichkeitsstereotyp der Schwäche und suchten Rückzug in der Krankheit.“[41]

Es bestand ein erstaunlicherweise selten beachteter Gegensatz zwischen den Strukturierungsprinzipien der bürgerlichen Familie und der sich parallel ausbildenden bürgerlichen Gesellschaftsordnung. „Wie kam es, dass eine Gesellschaft, die sich zur profitorientierten Konkurrenzwirtschaft, zur individuellen Leistung des einzelnen, zur Freiheit und zum Prinzip gleicher Rechte und Chancen für alle bekannte, auf eine Institution gegründet war, die zu all dem in schroffstem Gegensatz stand? Die Grundeinheit dieser Gesellschaft, der Einfamilienhaushalt, war zu gleicher Zeit eine patriarchalische Despotie und das verkleinerte Abbild der Gesellschaftsordnung, die die Bourgeoisie (…) ablehnte und bekämpfte: ein hierarchisches System persönlicher Abhängigkeiten.“[42] Die Akzeptanz dieses Widerspruchs dürfte nicht zuletzt auf die hohe Funktionalität der bürgerlichen Familienform zurückzuführen sein, jedenfalls für die Männer. Deren Privilegierung wurde mit dem Zusammenbruch der feudalen Abhängigkeitsstrukturen, der durch die Industrialisierung beschleunigten Wirtschaftsdynamik und Veränderung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und durch das Vordringen wohlfahrtsstaatlicher Institutionen, besonders die Schule, mehr und mehr die Grundlage entzogen.[43] Da war eine die männliche Dominanz legitimierende Ideologie, die im Zusammenhang mit der Ausbildung des bürgerlichen Familienideals entwickelt wurde, sehr erwünscht.

Denn mit der Zuschreibung von Zuständigkeiten beider Geschlechter für unterschiedliche gesellschaftliche Sphären aufgrund biologischer Vorgaben wurden zugleich die angeblich nun auch naturgegebenen Geschlechtscharaktere ausformuliert.[44] Demnach waren die Spezifika des männlichen Geschlechtscharakters: Aktionsdrang in der Öffentlichkeit, gekoppelt an die Eigenschaften Energie, Willenskraft, Festigkeit, Kühnheit, Selbständigkeit und Zielstrebigkeit, Rationalität, aufbauend aufVernunft, Denkfähigkeit, Abstraktionsvermögen, Wissen und Urteilsfähigkeit, sowie die Tugend der Würde. Dagegen wurden dem weiblichen Geschlechtscharakter zugeschrieben: eine prinzipielle Tendenz zur Passivität, verbunden mit den Eigenschaften körperlicher und seelischer Schwäche, Ergebung, Wankelmut und Bescheidenheit,  der Wunsch nach einer abhängigen Existenz, in der die Frau betriebsam, bewahrend und empfangend tätig werden kann, ein Ausgeliefertsein an die Emotionalität, die auf starken Gefühlen und einem empfindsamen Gemüt beruht, Religiosität und das gefühlsmäßige Verstehen betont, schließlich die Tugenden Schamhaftigkeit und Keuschheit, Liebenswürdigkeit, Taktgefühl, Verschönerungsgabe und Anmut bzw. Schönheit. Da die Merkmale der Geschlechtscharaktere nicht mehr wie in älterer Zeit aus gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Funktionen und Tätigkeiten beider Geschlechter abgeleitet, sondern zu naturgegebenen Eigenschaften deklariert wurden, konnten sie eine starke ideologische Prägewirkung erlangen, die die tatsächlichen Veränderungen männlicher und weiblicher Tätigkeitsfelder im Zuge des sozialen Wandels überdauerte.[45] „Ehe und Familie und die Frau als Personifizierung der speziellen familialen Qualitäten wurden in dem Augenblick anhand einer Reihe von erstrebenswerten Eigenschaften definiert, als in den sich herausbildenden außerfamilialen Gesellschaftsstrukturen und für den unter diesen Strukturen zum Reüssieren verpflichteten Mann eben diese Eigenschaften jeglichen Wert verloren und als Störfaktoren eliminiert wurden. Die exklusive Zuweisung der Eigenschaftskomplexe Rationalität-Aktivität für den Mann und Passivität-Emotionalität für die Frau ist demnach zu verstehen als Reaktion auf und zugleich Anpassung an eine Gesellschaftsentwicklung, die dem in der Aufklärung ausgearbeiteten Ideal der autonomen, harmonisch entfalteten Persönlichkeit zunehmend den Wirklichkeitsgehalt entzieht.“[46]

Die im Ideal unterstellte komplementäre Passung der gegensätzlichen Geschlechtscharaktere in der Ehe wurde dennoch von Beginn an durch einige inhärente Widersprüche in Frage gestellt. Die größte Sprengkraft beinhaltete dabei wahrscheinlich die Sexualität. Im Rahmen des bürgerlichen Familienideals galt die Ehe als einzig legitimer Ort für praktizierte Sexualität. Zwar huldigte man seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts in der Kultur des Bürgertums der romantischen Liebe, und die Liebesheirat wurde geradezu eine Norm. „Gegen den Vorrang sozialer und ökonomischer Interessen wurde die Ehe aus Liebe zu einem der zentralen Postulate der bürgerlichen Gesellschaft erhoben.“[47] An die Ehe wurde mehr und mehr ein ganz individueller Glücksanspruch gestellt. Allerdings wandelten sich ja seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gerade die Auffassungen davon, was unter Glück, und dies speziell in der Ehe, verstanden werden könnte. Ganz sicher ging es selbst in dem die Gefühle kultivierenden Bürgertum nicht um überwältigende Leidenschaften. Zumindest die Aufklärer postulierten noch ausdrücklich eine „wohlüberlegte und wohltemperierte gegenseitige Wertschätzung, die sich auf moralisch-menschliche Tugenden des Geliebten gründen sollte.“[48] Man sollte auch das „symbolische Kapital“ von Bildung und guten Umgangsformen nicht unterschätzen, „das eine Person attraktiv machen konnte“.[49] Zwar trat im frühen 19. Jahrhundert zu diesem primär seelischen Liebeserlebnis das körperliche als legitime Erwartung hinzu. Doch wurde dies „dialektisch aufgehoben in der Verbindung von Liebe und Ehe.“[50]

Dem entsprach die unbedingte Tabuisierung des Geschlechtsverkehrs vor der Eheschließung (zumindest für die Frau). Daraus ergaben sich in der durchschnittlich 2 Jahre, häufig sogar länger dauernden Verlobungsphase[51] bürgerlicher Paare neue Spannungen, die ein junger Bürger 1806 in einem Brief an seine Braut durch die Warnung vor allzu großer Liebenswürdigkeit zum Ausdruck brachte. Er sehe sich in der Gefahr, von einem Verliebtsein überwältigt zu werden, „wovor uns Gott bewahre vor der Zeit, ich meine vor der Ehe.“[52] Die Leidenschaften mussten also, jedenfalls vor der Eheschließung, kontrolliert werden, die Bedürfnisse sublimiert. Dass das Verhältnis des Bürgertums zur Sexualität sehr problematisch war, kann als sicher gelten, zumal uneheliche Kinder für Frauen eine Katastrophe darstellten. „Ihre Aussichten auf eine standesgemäße Ehe wurden dadurch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein praktisch zerstört. Entsprechend scharf war in dieser Schicht die Aufsicht über die Mädchen und die Abwehr kindlicher und jugendlicher Sexualität.“[53] Geradezu klassisch hat Heinrich Mann die in diesem Punkt zynische „Moral“ des Bürgertums durch seinen „Helden“ formulieren lassen, als dieser sich weigert, ein von ihm geschwängertes Mädchen zu heiraten: „Mein moralisches Empfinden verbietet mir, ein Mädchen zu heiraten, das mir seine Reinheit nicht mit in die Ehe bringt.“[54]

Sozialhistorische Untersuchungen zur praktischen Reichweite der Norm der Liebesheirat kommen zu dem nicht unerwarteten Resultat, dass sie in der Realität nur geringe Bedeutung besaß. „Auch im 19. Jahrhundert waren Ehen im Bürgertum weniger Herzens- als Geschäftsangelegenheiten.“[55] Eheliche Liebe wurde weiterhin verstanden als „Ausdruck von Kameradschaft und Solidarität und meinte die auf den ehelichen Verhaltenspflichten gegründete Zuneigung und gegenseitige Unterstützung der Partner.“[56] Geheiratet wurde nicht aus Liebe, möglicherweise jedoch zunehmend mit Liebe[57] – aber in der Regel nur, wenn die materiellen und sozialen Voraussetzungen stimmten, wofür die begrenzten Heiratskreise die Voraussetzungen schufen.[58] Große Bedeutung hatte in diesem Zusammenhang die Mitgift, mit der die zukünftige Ehefrau ausgestattet wurde. Töchter einkommensschwacher Bürger, bei denen die Mitgift bescheiden ausfiel, hatten deshalb oft große Schwierigkeiten, einen passenden Ehemann zu finden. Die Ehe wurde gestiftet durch vernünftige Liebe, „eine Liebe, die die Tugend des geliebten Menschen erkannte“[59] und sich nicht in sentimentaler Leidenschaft für Äußerlichkeiten oder sexuelle Befriedigung erschöpfte.

Dennoch wurde die Liebe der Ehegatten zumindest dem Anspruch nach erotisiert, „wurde Sinnlichkeit zu einem Teil der Gattenliebe, so verschämt und unaussprechbar sie auch immer blieb.“[60] Die schwer kontrollierbare Dynamik dieses Anspruchs unter den Bedingungen einer primär aus Vernunftgründen zustande gekommenen Ehe bei Verpflichtung zu lebenslanger exklusiver Monogamie wurde jedoch entschärft durch die seit der Wende zum 19. Jahrhundert immer erfolgreicheren Bemühungen von „Meisterdenkern“, der Frau eine von der Natur gegebene weitgehende Empfindungslosigkeit der Geschlechtsorgane und ein daraus folgendes Desinteresse an der Sexualität zu unterstellen. Schon Fichte hatte ja geurteilt: „Im unverdorbenen Weibe äußert sich kein Geschlechtstrieb, und wohnt kein Geschlechtstrieb, sondern nur Liebe; und diese Liebe ist der Naturtrieb des Weibes, einen Mann zu befriedigen.“[61] Vor allem Mediziner und Biologen verfolgten diese Idee weiter und behaupteten, die von Fichte noch theoretisch abgeleitete philosophische These der Abwesenheit eines weiblichen Geschlechtstriebs naturwissenschaftlich begründen zu können. Während des gesamten 19. Jahrhunderts wurde eine Fülle von Abhandlungen publiziert, die das mit immer neuen Argumenten zu belegen versuchten. Claudia Honegger hat in ihrer Auswertung dieser Literatur die wiederkehrende, nur variierte Kernthese etwas überspitzt so formuliert: „In der Theorie des sexuellen Tauschgeschäfts wird der Mann für seine großmütige Säftegabe mit Lust belohnt, während die Frau für ihren passiv-schlürfenden Geiz zunächst mit einem eher vergeblichen Streben nach Lust, dann immer öfter mit Empfindungslosigkeit bestraft wird.“[62] Zwar behauptete man, die Frau sei weitgehend beherrscht durch ihre Sexualität, durch die von ihren Geschlechtsorganen ausgehenden nervlichen Reizungen und Stimmungen, infolge dessen überwältigenden Gefühlen hilflos ausgeliefert, doch wurde ihr die sexuelle Begierde im engeren Sinne, der Geschlechtstrieb, abgesprochen. Erst das ermöglichte wiederum, ihr die Übernahme der großen zivilisatorischen Aufgabe aufzubürden, nämlich den animalischen, aggressiven Geschlechtstrieb des Mannes zu kultivieren.[63]

Die Frau wurde zum Engel im Haus stilisiert, ausgestattet mit friedfertigem Gemüt, gehemmten Aggressionen und einer so ausgeprägten Fähigkeit zur Triebsublimierung, dass sie in Bezug auf die Sexualität kühl und geradezu frigide erscheinen konnte. Das Gegenbild war die triebhafte Frau, die als sozial minderwertig oder psychisch krank galt, als Hure.[64] „Lebendige Sinnlichkeit erwartete man nicht von der bürgerlichen Hausfrau, und selten dürfte sie in ihr geweckt worden sein. Das schickte sich nicht.“[65] Bürgerliche Frauen hatten diese Vorstellungen in der Regel so sehr selbst verinnerlicht, dass sie sie als Mütter im 19.und sogar häufig noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an ihre Töchter weitergaben. So vermittelte Marcella Boveri, immerhin der ersten Generation studierter Frauen in den USA angehörend, ihrer Tochter noch im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, „dass Frauen den Geschlechtsverkehr nur erdulden, um Kinder zu bekommen,“ und Huren seien Frauen, „denen es sogar Freude mache.“[66] Die Cousine von Berta Pemsel, der Schwiegertochter Hermann Pemsels[67], wurde in den 1920er Jahren von ihrer Mutter gewarnt, Männer seien etwas so Schreckliches, dass sie die Finger davon lassen solle. Diese blieb auch ihr Leben lang allein, obwohl gut aussehend und sehr vermögend. Berta wiederum erklärte ihrer eigenen Tochter, als die in den 1930er Jahren ins ‚mannbare Alter’ gelangt war: „Die Liebe macht nur den Männern Spaß.“[68]

Diese pseudo-wissenschaftlich begründeten Theorien entlasteten den Mann erheblich, da sie ihn vor möglichen Ansprüchen der Frau auf ein erfülltes Sexualleben schützten. Zugleich leistete diese Ideologie, die im Grunde bis in die 1950er Jahre hinein wirksam blieb, der bürgerlichen Doppelmoral Vorschub, wonach es dem Manne nachgesehen werden sollte, wenn er gelegentlich seinen Triebüberschuss bei fremden Frauen (Huren) auslebte, solange er diskret vorging, die Familie nicht in Misskredit brachte, sich nicht verschuldete und die eigene Frau mit Respekt behandelte.[69] Damit war zweifelsfrei die aus der natürlichen Triebstruktur des Menschen, gleich welchen Geschlechts, resultierende, aus realen Bedürfnissen gespeiste Sprengkraft der Sexualität nur verdeckt. Das arbeitete die im späten 19. Jahrhundert entstehende medizinische Disziplin der Psychiatrie und insbesondere die um 1900 entstehende analytische oder Tiefenpsychologie anhand der ausschließlich Frauen zugeschriebenen Krankheit Hysterie, aber auch anhand anderer psychosomatischer Störungen klar heraus.[70]

Es liegt auf der Hand, dass sich das bürgerliche Familienideal und die diesem entsprechende reale Familienform zunächst nur in bestimmten, extrem kleinen Sozialgruppen, dem gebildeten Bürgertum, entfalten konnte. Dessen Berufsfeld war im wesentlichen „die staatliche bzw. die ständische Verwaltung, das Bildungswesen und die Seelsorge,“[71] ein Berufsfeld, in dem sich die Trennung von Erwerbs- und Privatsphäre und damit die Differenzierung von Öffentlichkeit und Privatheit besonders frühzeitig ausgebildet hatte. Dass sich das bürgerliche Familienideal und die Ideologie der Geschlechtscharaktere im Verlauf des 19. Jahrhunderts dann in immer weiteren Sozialgruppen durchsetzte, hat sicher nicht nur mit dem zunächst hohen Prestige des Bildungsbürgertums zu tun, sondern seinen Grund auch darin, dass „die Bildungspolitik darauf hinwirkte, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu vertiefen. (…) Die Definition der ‚Geschlechtscharaktere’ ist zugleich die Formulierung eines Bildungsprogramms“[72], das dem Ausbau und der Differenzierung des Bildungssystems in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zugrunde gelegt wurde.

„Was die Bildungsinhalte anbelangt, so war die Meinung einhellig, dass von Mädchen strikt alles fernzuhalten sei, was der Emotionalität Abbruch tun könne. Unter dies Verdikt fiel vor allem die Mathematik, da sie anstelle von Gemüt die Rechenhaftigkeit des Geistes befördere.“[73] Leistungsstreben sei zu vermeiden, die angeblich typische weibliche Passivität zu fördern. In diesem Sinne hat z. B. Hochsinger, ein namhafter Pädiater des späten 19. Jahrhunderts, in seinem Lehrbuch der kindlichen Gesundheitspflege davor gewarnt, Mädchen höhere Schulen, gar ein Gymnasium besuchen zu lassen. Mädchen seien dadurch sowohl körperlich wie geistig grundsätzlich überfordert und gefährdeten zudem ihr Aufgehen in der natürlichen Bestimmung zur Hausfrau und Mutter.[74] Da Hochsinger damit nur weitverbreitete Auffassungen bestätigte, ist es nicht verwunderlich, dass noch bis zum Ersten Weltkrieg für die Mehrzahl der Mädchen aus dem Bürgertum die Erziehung und Ausbildung primär auf ein Leben als den Mann schmückende Ehefrau sowie als Hausfrau und Mutter gerichtet waren.

Die Ausbildung der Mädchen wurde zwar seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr auf Schulen übertragen; so nahm die Zahl der kommunalen Mädchenschulen seit der Jahrhundertmitte zu; sie blieb aber bis ins frühe 20. Jahrhundert deutlich gegenüber den privaten in der Minderheit.[75] Die Mädchenbildung der ‚höheren Stände’ war also überwiegend eine Sache der privaten Initiative. Vor allem der Staat hatte daran kein Interesse, war Frauen doch der Zugang zur Beamtenlaufbahn ebenso wie zu den gelehrten Berufen versperrt. Zwar wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts die allgemeine Schulpflicht auch für Mädchen allmählich flächendeckend durchgesetzt, doch war es „einer ‚höheren Tochter’ kaum zuzumuten, die Schulbank mit ihrem späteren Gesinde zu teilen.“[76] Deshalb kam es zu einer Gründungswelle von überwiegend privat finanzierten Höheren Mädchenschulen (oft mit angeschlossenem Internat für Auswärtige), deren hohes Schulgeld die gewünschte soziale Exklusivität garantierte. In den unteren Klassen unterrichteten fast ausschließlich seminaristisch ausgebildete Frauen und Männer, während der Unterricht in den höheren Klassen, vor allem der größeren Schulen in den Städten, seit der Jahrhundertmitte mehr und mehr zu einer Domäne studierter Männer wurde.[77] Dies Mädchenschulwesen „war während des gesamten Jahrhunderts gekennzeichnet durch Uneinheitlichkeit im Ausbau: Es gab ein- und mehrklassige Schulen, aber auch solche mit 7, 8, 9 oder 10 Jahreskursen.“[78] Einige waren grundständig und nahmen Mädchen ab dem 6. Lebensjahr auf, andere begannen erst ab dem 9. Lebensjahr und setzten den Besuch von Vorklassen voraus.

Immerhin gab es ein quantitativ beachtliches Angebot an mittleren und höheren Mädchenschulen. In Preußen z. B. existierten 1822 schon 263 mittlere und höhere Mädchenschulen, deren Zahl bis 1864 auf 633 und bis 1906 sogar auf 1.155, darunter 945 höhere Mädchenschulen, anwuchs. Sie wurden 1822 von etwa 34.000 Schülerinnen, 1864 von knapp 75.000 und 1906 von 224.968, darunter 167.346 Schülerinnen in höheren Mädchenschulen, besucht.[79] Diese Schulen vergaben jedoch keinerlei Berechtigungen, führten also neben dem gymnasialen Schulwesen für die Knaben eine Sonderexistenz und wurden dem ‚niederen Schulwesen’ zugeordnet. Erst seit dem Erlass der ‚Bestimmungen über die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens’ von 1908 in Preußen konnten einige dieser Schulen auch Berechtigungen, besonders eben das ein Universitätsstudium ermöglichende Abitur, vergeben. „Damit war Preußen der erste deutsche Bundesstaat, der das höhere Mädchenschulwesen als System von Mädchenschultypen institutionalisierte, d. h. die einzelnen Schultypen in ihrem Verhältnis zueinander regelte und ein Verhältnis zum Beschäftigungssystem herstellte“[80]. Allerdings waren die Weichen so gestellt, dass der ‚normale’ Weg für die begabteren Mädchen auf das Oberlyzeum führte, dessen Abschluss die Lehrbefähigung für die Volksschule einschloss. Zur allgemeinen Hochschulreife führten nur die als Alternative zum Oberlyzeum und als Ausnahme gedachten so genannten Studienanstalten, die jedoch wiederum „nur dort eingerichtet werden durften, wo die geschlechtstypische Mädchenbildung durch ‚Frauenschulen’ und ‚Höhere Lehrerinnenseminare’ abgesichert war“[81], und im übrigen 13 Schuljahre verlangten gegenüber nur 12 bei den männlichen Abiturienten. Die volle Integration des höheren Mädchenschulwesens in das auf Männer fixierte Berechtigungssystem erfolgte erst in der Weimarer Republik.

Gemäß der als Richtschnur dienenden ‚dreifachen Bestimmung des Weibes’ (J. H. Campe) zur Ehefrau, Mutter und Vorsteherin des Hauswesens war der Lehrplan der höheren Mädchenschulen typischerweise begrenzt auf  drei unterschiedliche Aufgaben, „nämlich a) die des Pflichtpensums des öffentlichen Elementarunterrichts (Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen), b) die einer Hausfrauenschule (‚weibliche Arbeiten’, ‚Diätetik’), c) die einer sprachlich-literarischen Kultivierung, die soziale Distanz ‚nach unten’ schafft, mithin das ‚Höhere’ dieser Bildung ausmacht und zugleich den gesellschaftlichen Verpflichtungen des späteren Ehelebens entspricht (Deutsche Sprache und Literatur, Französisch).“ [82] Hatte die junge Frau diese Ausbildung absolviert, „begann eine von Monotonie, Melancholie aber auch häuslicher Mitarbeit überschattete Zeit als Haustochter im Wartestand.“[83] Man musste auf die ‚gute Partie’ warten, denn „zur Ehe gab es (…) für die Mehrzahl der Frauen keine akzeptable Alternative“[84]. Wie überhaupt das Frauendasein, besonders im Bürgertum, bis ins späte 19. und frühe 20. Jahrhundert durch eine gewisse Ausweglosigkeit charakterisiert erscheint, die es nur zuließ, den sehr klar formulierten normativen Vorgaben zu folgen.

Innerhalb der Mädchenbildung hatte die Beschäftigung mit dem Literaturkanon einen hohen Stellenwert, denn das Bürgertum brachte Literatur und Sprachkultur eine große Wertschätzung entgegen. „Ein allgemein gesteigertes Sprachbewusstsein, das Ausdruck in einer wachsenden Beachtung von kodifizierten Sprachregelungen, Achtung vor elaborierten Sprachkenntnissen fand und generell mit sensibilisierter Hellhörigkeit ein Empfinden für Untertöne entwickelte, beeinflusste auch in entscheidendem Maße den familiären Umgang.“[85] Dies äußerte sich in der natürlich verfügbaren privaten Bibliothek, zumindest einem gut gefüllten Bücherschrank, im Kult des Vorlesens oder gemeinsamen Lesens von Texten, im beliebten Deklamieren, besonders von Balladen, und der extensiven Kommunikation über Literatur anlässlich von Geselligkeiten. Kenntnisse der kanonisierten Literatur dienten als Code und als Probe der Zugehörigkeit zum gebildeten Bürgertum. Diese Wertschätzung der Literatur und der Sprache äußerten sich konsequenterweise im frühzeitigen Training der Kinder in der Kunst des Briefeschreibens. Schon vor Schulantritt hatten die Kinder Schreibübungen verschiedenster Art zu absolvieren, wobei sowohl auf orthographische und grammatikalische Richtigkeit als auch auf Stil und ästhetisch befriedigende Kalligraphie geachtet wurde.

Darüber hinaus kam im Rahmen der Erziehung von Frauen dem Klavierspiel in dem zwischen Materiellem und Geistigem dem Anspruch nach so scharf trennenden Bürgertum  eine besondere Bedeutung zu. Denn „nichts auf der Welt war seiner Natur nach geistiger als die Musik“, die wenn möglich in Gestalt eines aufwendigen Flügels, mindestens aber in der Gestalt eines Klaviers zur Standardeinrichtung einer Bürgerwohnung gehörte. „Keine bürgerliche Einrichtung war komplett zu nennen ohne dieses Instrument, und es gab keine Bürgerstochter, die nicht endlose Tonleitern auf ihm hätte üben müssen.“[86] Dem lag ein langfristiger Bedeutungswandel der Musik zugrunde. Wie die Literatur löste sie sich, „aus den Bindungen an Hof und Kirche und wurde zum Moment bürgerlicher Lebensweise.“[87] Allerdings waren im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert künstlerische Darbietungen in der Regel noch „Begleitmomente der Geselligkeit. (…) Die meisten Musiker des 18. Jahrhunderts lieferten nur die angenehme Hintergrundmusik für Liebeleien, Geplauder und Tafelfreuden. (…) Musikalische Ereignisse in den Villen der aufstrebenden Bürger und verschwenderischen Adligen waren Anlässe zu geselligem Verkehr und Tändelei.“[88] Doch setzte schon im 18. Jahrhundert, besonders von Seiten bürgerlicher Kreise, vereinzelt Kritik an dieser Art der Entwürdigung von Musik ein, die im 19. Jahrhundert zunehmend an Breite gewann. Die Romantiker proklamierten eine neuartige Rezeptionsweise von ästhetischen Reizen, die Selbstbeobachtung in den Mittelpunkt stellte, eine Kultivierung von Subjektivität.  Dafür eignete sich besonders die Musik, die als reinste ästhetische Gattung eine Aufwertung erfuhr. „Richtiges Zuhören setzte korrektes Benehmen und schweigendes Nach-Innen-Wenden voraus, das man lernen konnte“.[89]

Das Bemühen, gerade im Bürgertum, diese neue Rezeptionsweise zu verallgemeinern, sie zu einer verbindlichen Norm zu machen, nahm Jahrzehnte in Anspruch. Wegbereiter waren „allen voran deutsche Dirigenten und Musiker, die ihre anspruchsvolle Etikette in der ganzen zivilisierten Welt herumtrugen.“[90] Sie verschaffte der Musik eine einsame, weihevolle Sonderstellung unter den Künsten. Das schlug sich u. a. in der Verallgemeinerung des Klavierspiels als einem typischen Element weiblicher Erziehung nieder – wohl auch wegen seiner ‚veredelnden’ Wirkung. Häufig wurde den jungen Mädchen allerdings auch nahe gebracht, statt nur zu sticken, was zu den selbstverständlichen Fertigkeiten einer Bürgerin gehörte, ein wenig in der Malerei zu dilettieren. Beispielhaft erscheint die folgende Schilderung der Verhältnisse in einem reichen Berliner Bürgerhaushalt im Jahre 1890: „Die Töchter haben eine vortreffliche Erziehung erhalten, zumeist im Hause; man hat sie nicht in allen vorhandenen Wissenschaften ausbilden lassen; sie können weder über Kant noch über die Spektralanalyse, auch nicht über Darwin oder die Atomistik ein fertiges Urteil abgeben. Aber sie sind frisch, geistig und körperlich gesund, thätig im Hause, natürlich, für das Schöne empfänglich. Die eine hat sich in der Malerei, die andere im Klavierspiel ausgebildet; beider Leistungen gehen über die salongemäße Kunstspielerei hinaus, aber keine von beiden hielt sich als Meisterin auf, die, wie die Mehrzahl der ‚höheren Töchter’, über alle Bilder und Musikwerke mit verblüffendem Selbstbewusstsein aburteilen darf.“[91]

Die Schilderung enthält gleich mehrere bemerkenswerte Hinweise auf bürgerliche Kultur, besonders im Hinblick auf die Mädchenbildung. So wird das geradezu universalistische Wissen angedeutet, über das der gebildete männliche Bürger in dieser Zeit angeblich selbstverständlich verfügen musste: von Kant über Darwin bis zur Spektralanalyse und Atomphysik. Das konnte man von Frauen des Bildungsbürgertums ebenso selbstverständlich nicht erwarten, das wäre ihnen geradezu wesensfremd. Aber sie waren frisch, gesund, im Haushalt tätig, natürlich und dem Schönen zugetan – das entsprach dem Ideal. Etwas andere Akzente setzt Weber-Kellermann, indem sie resümiert: „So bereiteten Eltern die Töchter auf das Leben einer Dame im Großbürgerstil vor, freigestellt von aller Hausarbeit, erzogen im süßen Nichtstun, in der Kunst der Zeit- und Geldverschwendung für äußere repräsentative Zwecke – und zugleich in einer künstlichen Kindlichkeit konserviert, in einer niedlichen naiven Puppenhaftigkeit.“[92]

Aufschlussreich auch die oben zitierte Kritik an der Mehrzahl der ‚höheren Töchter’, die offenbar dazu angehalten wurden, ästhetische Darbietungen nicht in erster Linie gefühls- oder verstandesmäßig zu erfassen und aus dem eigenen Erleben, der eigenen Beschäftigung mit Form und Inhalt der Kunst heraus zu kommunizieren, sondern möglichst strikt darüber zu urteilen. Ein Gutteil der Konversation über Kunst dürfte, so gesehen, im Austausch abweichender oder übereinstimmender formelhafter Meinungen bestanden haben. Fanny Lewald schreibt, gerade bei den reichen bürgerlichen Frauen keinerlei echte Bildung, „nirgend weniger Lust, sich zu unterrichten, weniger Teilnahme an dem Geistigen und Allgemeinen“ gefunden zu haben. „Die Oper, das Klavier, ein bisschen Gesang und der englische und französische Roman, darüber geht es nur zu häufig nicht hinaus.“[93] Frevert spricht in diesem Zusammenhang von dem Ideal des demonstrativen Müßiggangs, das u. a. mit einer oberflächlichen, „interessiert-dilettierenden Teilnahme am öffentlichen Kulturleben“[94] verbunden wurde.

In dem bisher skizzierten Bild des Lebens der bürgerlichen Frau und der auf dieses vorbereitenden Mädchenbildung fehlen soziale Differenzierungen. Diese sind, zumindest in groben Zügen, notwendig, denn die höchst unterschiedlichen Einkommensverhältnisse in verschiedenen Gruppen des Bürgertums prägten die Mädchenerziehung und die tatsächlichen Lebenslagen von Frauen zweifellos entscheidend. So besuchten die Mädchen aus dem kleinen und mittleren Bürgertum vornehmlich die mittleren, besonders stark auf praktische und hausfrauliche Tätigkeiten ausgerichteten Mädchenschulen, und wenn eine höhere Mädchenschule, dann eher eine öffentliche als eine private, die sie mit 15-16 Jahren verließen. Die höheren, überwiegend ja privat organisierten und vor allem auch finanzierten Mädchenschulen und ihre Internate waren dagegen fast ausschließlich den Töchtern aus dem wohlhabenden Bildungs- und Besitzbürgertum vorbehalten.[95] In diesen Kreisen wurde die Schulausbildung ab dem 16. Lebensjahr oft ergänzt durch Unterricht bei Privatlehrern im Elternhaus (etwa in Französisch oder Tanzen) oder den ein- bis zweijährigen Aufenthalt in einem Pensionat, in dem die Lehrfächer der Mädchenschule vertieft wurden, ergänzt durch Einübung gesellschaftlicher Formen. Ab den 1870er Jahren trat gegenüber dem Stoff der Schulfächer vermehrt die Ausbildung im Kochen, in der Haushaltsführung und in den Handarbeiten in den Vordergrund.[96]

Zwar hatte die Ehefrau im Bürgertum prinzipiell durch ihre Lebensführung die soziale Stellung des Mannes zu repräsentieren und eine niemals in echte Handarbeit ausartende emsige Rastlosigkeit zu demonstrieren. Das verallgemeinerte Leitbild war, der adeligen Lebensführung entlehnt, das der Dame.[97] Doch blieb dies Leitbild aufgrund beschränkten Einkommens oft Fassade. „Um einen repräsentativen Lebensstil aufrechterhalten zu können, waren Frauen – besonders der bildungsbürgerlichen Schichten – zu größter Sparsamkeit und hohem persönlichen Arbeitsaufwand gezwungen, der jedoch nach außen nicht sichtbar werden durfte.“[98] Im gehobenen Bürgertum musste die ‚emsige Rastlosigkeit’ dagegen durch die weitgehend nutzlosen, so genannten ‚weiblichen Arbeiten’ demonstriert werden, z. B. durch textile, ästhetische Bedürfnisse befriedigende Handarbeiten wie das Sticken, (nicht dagegen das profane Stricken und Stopfen), durch Gesang, Instrumentalmusik, Malerei, Konversation oder das Lesen eines Romans in englischer oder französischer Sprache. Diese Beschäftigungen durften durch nachmittägliches Promenieren mit Besuch eines Cafés und das Erledigen von Einkäufen für den persönlichen Bedarf ergänzt werden. Hobsbawm bringt das auf die Formel: „Eine ‚Dame’ war jemand, der keine Arbeit verrichtete, sondern die Arbeiten anderen auftrug.“[99] Sie kann sich, losgelöst von den Arbeitsfunktionen im Haushalt, ganz der Kultivierung der Lebensformen und der Bildungs- bzw. Kulturpflege widmen.[100] Diesem Ideal konnten jedoch im Verlauf des 19. Jahrhunderts aus Mangel an ausreichendem Einkommen immer weniger bürgerliche Familien, besonders nicht solche aus dem mittleren und unteren Bürgertum, gerecht werden, wie die langfristige Abnahme der Dienstbotenhaltung belegt.[101]

Die Mädchenerziehung war offensichtliche eine starke Stütze des bürgerlichen Familienideals und trug maßgeblich zu seiner Vertiefung und gesellschaftlichen Verbreitung bei. Zweifellos war aber die Erfahrung der Trennung von Erwerbs- und Privatsphäre die wichtigste Voraussetzung für die Ausbildung des bürgerlichen Familienideals und der es stützenden Ideologie der polaren Geschlechtscharaktere. Wegen der ungünstigen materiellen Lebensbedingungen, die die Erwerbsarbeit der Ehefrauen und die frühzeitige Erwerbsbeteiligung der Kinder nötig machten, war eine Umsetzung dieses Familienideals im proletarischen Milieu sowie bei schlecht verdienenden Angestellten und Beamten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nur ansatzweise möglich. Seine Hochblüte erlebte das bürgerliche Familienideal vor dem Hintergrund des rasch zunehmenden Lebensstandards aller sozialen Schichten vielmehr erst in den späten 1950er und den frühen 1960er Jahren. Auch das Gewerbe treibende Kleinbürgertum öffnete sich nur zögerlich diesem Ideal, und die breiten bäuerlichen Schichten blieben davon weitgehend unberührt.  Hier herrschte noch bis ins späte 19. Jahrhundert, bei den Bauern oft sogar bis Mitte des 20. Jahrhunderts, die Familienform des ‚ganzen Hauses’ vor.


[1] Vgl. Spree, R.: Eine bürgerliche Karriere im deutschen Kaiserreich. Der Aufstieg des Advokaten Dr. jur. Hermann Ritter von Pemsel in Wirtschaftselite und Adel Bayerns. Aachen 2007, S. 45-60.

[2] Vgl. den einflussreichen Aufsatz von Hausen, K.: Die Polarisierung der „Geschlechtscharaktere“ – Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben. In: Conze, W. (Hg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Neue Forschungen. Stuttgart 1976, S. 363-393.

[3] Vgl. die vor allem den Herrschaftsbezug herausstellende ‚klassische’ Arbeit von Brunner, O.: Das „Ganze Haus“ und die alteuropäische „Ökonomik“. In: Ders.: Neue Wege der Verfassungs- und Sozialgeschichte. 2. Aufl., Göttingen 1968, S. 102-127. Eine zeitgenössische Darstellung des Zusammenlebens unter den Bedingungen des ‚ganzen Hauses’ im Wirtschaftsbürgertum bei Freytag, G.: Soll und Haben. 1. Aufl. 1855; hier zit. nach d. TB-Ausgabe München 1976, passim, bes. S. 44-49

[4] Gestrich, A.: Geschichte der Familie im 19. und 20. Jahrhundert. München 1999, S. 4.

[5] Schlegel-Matthies, K.: „Im Haus und am Herd“. Der Wandel des Hausfrauenbildes und der Hausarbeit 1880-1930. Stuttgart 1995, S. 20. Vgl. auch Richarz, I.: Oikos, Haus und Haushalt. Ursprung und Geschichte der Haushaltsökonomik. Göttingen 1991, S. 206.

[6] Brunner, S. 112.

[7] Trotz weitgehender, meist unverzichtbarer Einbeziehung der Ehefrau in die wirtschaftlichen Belange der Familie, besonders bei den Bauern, aber auch in Handel und Handwerk, hob dies dennoch nicht ihre prinzipielle Unterordnung unter den Mann, ja, die geradezu „weitgehende Rechtlosigkeit“, auf. Vgl. Weber-Kellermann, I.: Frauenleben im 19. Jahrhundert. Empire und Romantik, Biedermeier, Gründerzeit. München 1983, S. 11ff.

[8] Majer, D.: Der lange Weg zu Freiheit und Gleichheit. 14 Vorlesungen zur Rechtsstellung der Frau in der Geschichte. Wien 1995, S. 52f.

[9] Majer, S. 111

[10] Vgl. Details bei Majer, S. 109-113.

[11] Vgl. auch Gestrich, S. 102.

[12] Vgl. Spree, R.: Kurpfuscherei-Bekämpfung und ihre sozialen Funktionen während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Labisch, A., u. Spree, R. (Hg.): Medizinische Deutungsmacht im sozialen Wandel des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Bonn 1989, S. 107, in Anlehnung an Jewson, N. D.: Medical Knowledge and the Patronage System in 18th Century England. In: Sociology, 8 (1974), S. 369-385.

[13] Vgl. dazu die anschaulichen Schilderungen bei Mann, T.: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Div. Auflagen, Erstausgabe 1901.

[14] Vgl. zu den Hauslehrern oder Hofmeistern das aufschlußreiche Kapitel bei Gerth, S. 51-60.

[15] Honegger, C.: Die Ordnung der Geschlechter. Die Wissenschaft vom Menschen und das Weib 1750-1850. 2. Aufl., Frankfurt/ M. u. New York 1991, S. 53.

[16] Gerhard, U.: Verhältnisse und Verhinderungen. Frauenarbeit, Familie und Rechte der Frauen im 19. Jahrhundert. Mit Dokumenten. Frankfurt/ M. 1978, S. 12.

[17] Vgl. Frevert, U.: Bürgerliche Meisterdenker und das Geschlechterverhältnis. Konzepte, Erfahrungen, Visionen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. In: Dies. (Hg.): Bürgerinnen und Bürger. Geschlechterverhältnisse im 19. Jahrhundert. Göttingen 1988, S. 24 f., 30 f. u. 40 f..

[18] Fichte, J. G.: Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre. (1796). Hamburg 1960,       S. 304 f.; Hervorhebung im Original.

[19] Vgl. Fichte, S. 308.

[20] Fichte, S. 320.

[21] Vgl. hierzu vor allem Honegger: Die Ordnung der Geschlechter.

[22] Vgl. ergänzend zur Vielfalt und zum Wandel der Familienformen sowie ihren jeweiligen ökonomischen und gesellschaftlichen Grundlagen im 19. Jahrhundert vor allem Rosenbaum, H.: Formen der Familie. Untersuchungen zum Zusammenhang von Familienverhältnissen, Sozialstruktur und sozialem Wandel in der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Frankfurt/ M. 1982.

[23] Gerhard, S. 74.

[24] Anschaulich schildert Gall das Fortleben der Funktion der Hausmutter (bzw. der Ökonomie des ‚ganzen Hauses’) im Wirtschaftsbürgertum des frühen 19. Jahrhunderts und den raschen Wandel in der nächsten Generation gegen Mitte des Jahrhunderts; vgl. Gall, L.: Bürgertum in Deutschland. TB-Ausgabe, Berlin 1989, S. 161-171, bes. S. 164ff.

[25] Vgl. vor allem Hausen, passim.

[26] Sieder, R.: Sozialgeschichte der Familie. Frankfurt/M. 1987, S. 129.

[27] Vgl. dazu die zusammenfassenden Ausführungen bei Schlegel-Matthies, S. 22.

[28] Vgl. Rosenbaum, S. 329; Budde, G.-F.: Auf dem Weg ins Bürgerleben. Kindheit und Erziehung in deutschen und englischen Bürgerfamilien 1840-1914. Göttingen 1994, S. 63ff.

[29] Budde, S. 407.

[30] Sieder, S. 135.

[31] Vgl. dazu die Beispiele bei Frevert, U.: „Mann und Weib und Weib und Mann“. Geschlechter-Differenzen in der Moderne. München 1995, S. 151 ff.

[32] Vgl. Goschler, C.: Rudolf Virchow. Mediziner – Anthropologe – Politiker. Köln usw. 2002, S. 120-122.

[33] Hier zitiert nach Frevert: „Mann und Weib“, S. 150.

[34] Modemuseum im Münchner Stadtmuseum: Pressemitteilung zur Ausstellung „Von Pfau zu Pfau – Herrenmode vom Rokoko bis heute“, v. August 2003, S. 8.

[35] Vgl. Sieder, S. 132, der sich in dieser Hinsicht sehr optimistisch äußert.

[36] Trepp, A.-C.: Emotion und bürgerliche Sinnstiftung oder die Metaphysik des Gefühls.: Liebe am Beginn des bürgerlichen Zeitalters. In: Hettling, M., u. Hoffmann, S.-L. (Hg.): Der bürgerliche Wertehimmel. Innenansichten des 19. Jahrhunderts. Göttingen 2000, S. 42.

[37] Ebda., S. 44.

[38] Goschler, S. 137.

[39] Vgl. Rosenbaum, S. 198.

[40] Lewald, F.: Zehnter Brief. Karlsbad, im August 1869. In: Dies.: Politische Schriften für und wider die Frauen. Hgg. v. U. Helmer, Frankfurt/ M.1989, S. 169f.

[41] Budde, S. 408.

[42] Hobsbawm, E. J.: Die Blütezeit des Kapitals. Eine Kulturgeschichte der Jahre 1848-1875. München 1977,      S. 293.

[43] Vgl. auch Gerhard, S. 95.

[44] Vgl. zum Folgenden Hausen, S. 368.

[45] Vgl. ebda., S. 370 f.; Sieder: Sozialgeschichte der Familie, S. 133.

[46] Ebda., S. 381.

[47] Trepp, S. 32.

[48] Trepp, S. 35.

[49] Gestrich, S. 30f.

[50] Trepp, S. 36.

[51] Vgl. Budde, S. 37, die meint, dass die Verlobungsdauer häufig noch länger war.

[52] Brief von Ferdinand Beneke an seine Braut v. 8. 9. 1806; zitiert nach Trepp, S. 37.

[53] Gestrich, S. 32.

[54] Mann. H.: Der Untertan. TB-Ausgabe, 26. Aufl., München 1984, S. 75.

[55] Frevert, U.: Frauen-Geschichte. Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit. Frankfurt/ M. 1986, S. 106.

[56] Borscheid, P.: Geld und Liebe. Zu den Auswirkungen des Romantischen auf die Partnerwahl im 19. Jahrhundert. In: Ders., u. Teuteberg, H. J. (Hg.): Ehe, Liebe, Tod. Zum Wandel der Familie, der Geschlechts- und Generationsbeziehungen in der Neuzeit. Münster 1983, S. 113.

[57] Vgl. ebda., S. 134.

[58] Vgl. Budde, S. 28-36, u. a. mit Beispielen für die als Filter dienenden ‚Heiratsmärkte’.

[59] Sieder, S. 130.

[60] Ebda., S. 131.

[61] Fichte, S. 304.

[62] Honegger, C.: Frauen und medizinische Deutungsmacht im 19. Jahrhundert. In: Labisch, A., u. Spree, R. (Hg.): Medizinische Deutungsmacht im sozialen Wandel des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Bonn 1989,         S. 188.

[63] Eder, F. X.: Kultur der Begierde. Eine Geschichte der Sexualität. München 2002, S. 140 f.

[64] Vgl. zu den Problemen der Sexualität in der bürgerlichen Familie ausführlicher Rosenbaum, S. 347-351. Sie übernimmt zur Erklärung der Dichotomisierung der weiblichen Menschheit in Engel und Huren speziell durch die bürgerlichen Männer die umstrittene These von Freud, wonach der Zwang zur Entsexualisierung der Mutter-Sohn-Beziehung in der frühkindlichen Entwicklungsphase eine lebenslange problematische Einstellung der Männer gegenüber Frauen und der Sexualität erzeugt; S. 348.

[65] Weber-Kellermann, S. 107.

[66] Frevert: Frauen-Geschichte, S. 131.

[67] Vgl. zu Pemsel und seiner Familie Spree: Eine bürgerliche Karriere.

[68] Mündliche Mitteilung von Irmgard Robertson, geb. Pemsel, am 29. 12. 2003.

[69] Vgl. z. B. Hobsbawm, S. 287ff.

[70] Vgl. Frevert: Frauen-Geschichte, S. 128ff., sowie trotz seiner Voreingenommenheit gegenüber der Tiefenpsychologie Shorter, E.: From Paralysis to Fatigue. A History of Psychosomatic Illness in the Modern Era. New York usw. 1992, bes. Kap. 5-7.

[71] Hausen, S. 383.

[72]Ebda., S. 387f.

[73] Ebda., S. 388.

[74] Vgl. Hochsinger, C.: Gesundheitspflege des Kindes im Elternhause. Leipzig u. Wien 1896, hier zitiert nach d. 3. Aufl 1912, S. 233f.

[75] Noch 1901 gab es im Deutschen Reich zwar 213 öffentliche ‚höhere Mädchenschulen’ mit 53.558 Schülerinnen, doch standen diesen 656 Privatschulen mit 72.932 Schülerinnen gegenüber. Vgl. Zinnecker, J.: Sozialgeschichte der Mädchenbildung. Zur Kritik der Schulerziehung von Mädchen im bürgerlichen Patriarchalismus. Weinheim u. Basel 1973, S. 38.

[76] Herrlitz u. a., S. 90f.

[77] Vgl. Zinnecker, S. 42f.

[78] Ehrich, K.: Stationen der Mädchenschulreform. Ein Ländervergleich. In: Kleinau, E., u. Opitz, C. (Hg.): Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung. Bd. 2, Frankfurt/ M. u. New York 1996, S. 129.

[79] Müller/ Zymek, S. 68f..

[80] Ehrich, S. 132. Vgl. auch die differenzierte Darstellung der Entwicklung des Mädchenschulwesens im Kaiserreich bei Kraul, M.: Höhere Mädchenschulen. In: Berg, C. (Hg.): Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte. Bd. 4, München 1991, S. 288-293.

[81] Herrlitz u. a., S. 105.

[82] Enda., S. 91.

[83] Budde, 409.

[84] Rosenbaum, S. 340.

[85] Budde, S. 125.

[86] Hobsbawm, S. 286.

[87] Bödeker, H. E.: Die ‚gebildeten Stände’ im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert: Zugehörigkeit und Abgrenzungen. Mentalitäten und Handlungspotentiale. In: Kocka, J. (Hg.): Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert. T. 4, Stuttgart 1989, S. 39.

[88] Gay, P.: Die Macht des Herzens. Das 19. Jahrhundert und die Erforschung des Ich. München 1997,  S. 23.

[89] Ebda., S. 27.

[90] Ebda., S. 28.

[91] Leixner, O. v.: Soziale Briefe aus Berlin 1888-1891. Berlin 1891, S. 162ff.; abgedruckt in Hubbard, W. H.: Familiengeschichte. Materialien zur deutschen Familie seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. München 1983,      S. 230.

[92] Weber-Kellermann, S. 115.

[93] Lewald, S. 172.

[94] Frevert: Frauen-Geschichte, S. 106. Die Ehefrau im gehobenen Bürgertum sollte „sich zweckfrei den schönen Künsten widmen und eine gepflegte, oberflächlich gebildete Gastlichkeit kultivieren.“

[95] Vgl. Zinnecker, S. 49ff.

[96] Vgl. Zinnecker, S. 56-60. Gerade die Pensionate können als Hinweis darauf betrachtet werden, dass sich die Familie im gehobenen Bürgertum der Sozialisation ihrer Kinder nach Beendigung der Schulpflicht nur noch eingeschränkt gewachsen fühlte. In diesem Sinne auch ebda., S. 62ff.

[97] Vgl. ebda., S. 95-113.

[98] Schlegel-Matthies, S. 28.

[99] Hobsbawm, S. 294.

[100] Gerth, S. 67.

[101] Vgl. u. a. Gestrich, S. 18.

2 Responses to Geschlechterverhältnis und bürgerliche Familie im 19. Jh.

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